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Ecuador: Modell einer nachhaltigen Klein-Fischerei

Optimierung artisanaler Fischereimethoden und Aufbau eines fairen Handelssystem

Partner: Instituto NAZCA de Investigaciones Marinas, Ecuador

Beteiligte: Küstenfischer aus Dörfern in der Provinz Esmeraldas

Ökologie: Entlastung und Sicherung der Meeresfischbestände

Ökonomie: Entwicklung von Zertifizierungsrichtlinien für nachhaltige Kleinfischerei

Soziales: Verbesserung der medizinischen Versorgung, der Bildungsmöglichkeiten, der Infrastruktur

Maßnahmen:

  • Analyse bereits etablierter Richtlinien für nachhaltige Fischerei
  • Biologische Bestandsaufnahme der kommerziell wichtigen Fischarten
  • Identifizierung destruktiver Fangmethoden
  • Entwicklung und Einführung umweltschonender Fischereimethoden und -Techniken
  • Schulungen, Workshops, Versammlungen zu Meeresthemen und Ökonomie
  • Verbesserung der Infrastruktur für Schiffsbetrieb und Fischverarbeitung
  • Einführung eines internen Kontrollsystems sowie fairen Verkaufsmodells
  • Erhöhung der Arbeitssicherheit auf See

Die Zertifizierung als Grundlage nachhaltiger Produktion

Die Zertifizierung einer verantwortungsvollen Fischerei ist eines der für die Zukunft wichtigsten Instrumente des Fischereimanagements. Zertifizierung zielt darauf ab, Fisch ökologisch und sozialverträglich zu produzieren und zu vermarkten.

 

Bisher sind in etwa 6% der für den menschlichen Konsum bestimmten Fische aus der Meeresfischerei durch Zertifizierungssysteme wie NATURLAND e.V. oder des MARINE STEWARDSHIP COUNCIL (MSC) zertifiziert, die jedoch fast ausschließlich aus Fischereien in den Industrieländern stammen. Die im Vergleich dazu eher mit handwerklichen Mitteln betriebene, so genannte artisanale Fischerei vor allem in den Ländern des Südens ist dagegen bislang stark unterrepräsentiert. Nach Einschätzung der FAO beträgt der Fanganteil aus der artisanalen Fischerei an der globalen Fangmenge etwa 45 % und die Bemühungen um die Zertifizierung von Fischereien dieses Sektors ist daher ein wichtiger Schritt.

 

Es existieren zurzeit weder Arbeitsstandards oder Richtlinien, noch Geschäfts- und Verkaufssysteme, die die speziellen Eigenschaften von kleinen artisanalen Fischereien in Entwicklungsländern berücksichtigen. Effizientere Arbeitsabläufe, standardisierte Verkaufs- und Verarbeitungsprozesse, Aufbau einer professionellen Infrastruktur würden dazu beitragen, die laufenden Betriebskosten zu reduzieren und den Wert gefangener Meerestiere zu steigern. Durch fehlende Hygienestandards auf den Booten und im Heimathafen besteht beispielsweise gar nicht erst die Möglichkeit, die Fische direkt an anspruchsvolle Restaurants zu verkaufen.

 

Das Projekt „Modell einer nachhaltigen Klein-Fischerei“ soll einen Entwicklungsprozess initiieren, der die allgemeinen Lebensumstände von Fischern kleiner artisanaler Fischereien der ecuadorianischen Provinz Esmeralda langfristig verbessert. Gleichzeitig werden die stark genutzten Fischbestände mit Hilfe von neu erarbeiteten und eingeführten Fischereimethoden und Arbeitsmaßnahmen nachhaltig bewirtschaftet und dadurch geschont. Die durch dieses Projekt modellhaft entwickelten Richtlinien für eine faire und verantwortungsvolle artisanale Fischerei berücksichtigen die Besonderheiten in Entwicklungsländern und werden auch auf andere Küstendörfer Ecuadors übertragbar sein.

 

 

Die Fischer

Die Projektmitarbeiter von NAZCA im Gespräch in Estero de Platano.

Das Projekt arbeitet mit den Fischern kleiner artisanaler Fischereien der Dörfer Galera, Estero de Platano, Quingue, Tongora, Tongorachi und Cabo San Francisco.

 

Der Mangel an weiteren Einkommensmöglichkeiten führt zum hohen Stellenwert der Fischerei im gesamten Projektgebiet von Galera im Norden bis Cabo San Francisco im Süden. Galera und Cabo San Francisco sind die wichtigsten Fischerdörfer in der Zone. In Galera sind 90 % der arbeitenden männlichen Bevölkerung Fischer, und es gibt 40 motorisierte Fiberglasboote. Sie befischen vornehmlich Arten der Hochsee, zum Beispiel Schwertfische (Familie Xiphiidae), Fächer- und Speerfische (Familie Istiophoridae) zu denen die bekannten Blauen Marline gehören und Goldmakrelen (Coryphaena hippurus).

 

Die kleine artisanale Fischerei stellt in Cabo San Francisco die Haupteinnahmequelle innerhalb der Dorfgemeinschaft dar. Hier gibt es 30 motorisierte Fiberglasboote mit denen die Fischer hauptsächlich die drei ökonomisch wichtigen Arten Pink cusk eel (Brotula clarkae), Schnapper (Lutjanus sp.) und Goldmakrele (Coryphaena hippurus) fangen. In Estero de Plantano und Quingue gibt es jeweils ein, beziehungsweise drei motorisierte Fiberglasboote.

 

Auf einem Boot arbeiten drei Fischer: ein Kapitän, der das Boot navigiert und die Gesamtverantwortung trägt und zwei Personen, die für einen reibungslosen Arbeitsablauf verantwortlich sind. Im Projektgebiet gibt es zusammen 74 Fiberglasboote auf denen insgesamt 222 Fischer arbeiten.

 

Eine weitere Zielgruppe des Projektes sind im Projektgebiet lebende Langustenfischer, die mit Stellnetzen die „Grüne Languste“(Panulirus gracilis) fischen. Auf einem Langustenboot (dies sind hauptsächlich Holzboote ohne Außenbordmotor) arbeiten zwei Fischer. In Galera gibt es zwölf, in Estero de Platano eins, in Tongora sechs, in Tongorachi vier und in Cabo San Francisco 15 Boote.

 

 

Die Region

Das Projektdorf Cabo San Francisco.
Fischer aus Galera nach der Arbeit.

Die Projektorte Galera, Estero de Platano, Quingue, Tongora, Tongorachi und Cabo San Francisco befinden sich im Süden von Ecuadors nördlichster Küstenprovinz Esmeraldas. Die Provinz Esmeraldas mit der gleichnamigen Provinzhauptstadt ist die ärmste der ecuadorianischen Küstenprovinzen.

 

Es leben 58 % der Bevölkerung in Armut und die Analphabetenrate liegt bei 13 %. Fischerei stellt die drittwichtigste Einkommensquelle nach Landwirtschaft und Tourismus dar.

 

Trocken- und Regenzeiten, die je nach geographischen Regionen zeitlich variieren, prägen das Klima Ecuadors. Tropische Temperaturen mit intensiver Sonneneinstrahlung und hoher Luftfeuchtigkeit charakterisieren das Klima der Provinz Esmeraldas. Die tropische Strömung des Golfes von Panama beeinflusst die nördlichen Meeresgebiete Ecuadors und kennzeichnet die Gewässer der Provinz durch hohe Temperaturen und niedrige Salinität. Die Flora und Fauna repräsentiert die tropischen Ökosysteme des Ostpazifiks. Die Jahresdurchschnittstemperatur der Luft beträgt 29 Grad Celsius und die des Wassers 26 Grad Celsius.

 

Die Küsten der Provinz Esmeraldas sind sehr vielfältig: es gibt Sandstrände, Estuare, Felsklippen, Mangroven, Unterwasserfelsen und Korallenformationen. Diese Vielzahl an marinen Lebensräumen bringt eine hohe Artenvielfalt mit sich. Im südlichen Teil der Provinz gibt es Küstenbereiche, die schnell steil ins Meer abfallen. Schon 18 Kilometer vor der Küste erreicht das Meer Wassertiefen von 500 Metern. Infolgedessen fangen Küstenfischer neben den in Küstengewässern vorkommenden Fischen auch Arten der Hochsee.

 

In den Dörfern des Projektgebietes leben insgesamt ungefähr 4.500 Menschen. Einfachste Infrastruktur charakterisiert diese Dörfer, üblicherweise durchzieht sie eine einzige, nicht-asphaltierte Hauptstrasse ohne Bürgersteige. Die Armut ist in allen diesen Dörfern ist sehr hoch; durchschnittlich leben 71 % der Bevölkerung in Haushalten, die nicht die allernotwendigsten sanitären und hygienischen Einrichtungen

besitzen. Zugang zu Trinkwasser, Elektrizität, zu Telefon oder Internet ist entweder gar nicht oder nur spärlich vorhanden. Das trifft ebenso auf Abwassersysteme und staatlich organisierte Müllbeseitigung zu.

 

Seit 2005 ersetzt eine asphaltierte Straße die frühere Schotterpiste und verkürzt die ehemals beschwerliche Fahrt zwischen Galera und Tonchigüe. Tonchigüe ist das nächste größere Dorf und liegt nordöstlich des Projektgebietes. Es bietet die Möglichkeit zum Kauf von wichtigen Grundnahrungsmitteln wie zum Beispiel Reis, Gemüse, Obst und Konsumgütern. Kurz hinter Galera endet die Asphaltierung, so dass die Dörfer Galerita, Estero de Platano, San Jose, Quingue, Caimito, El Progreso, Tongora, Tongorachi und Cabo San Francisco vor allem in der Regenzeit (Dezember bis April/Mai) nur sehr mühsam zu erreichen sind.

 

 

Die Projektpartner:

 

Corporación Instituto NAZCA de Investigaciones Marinas, Ecuador

Direktorin: Soledad Luna

Adresse: Yugoeslavia N33 - 96 y Rumipamba, Quito, Ecuador

Telefon/Fax: 00593 2 22 47 935

 

Das Projekt arbeitet mit Fischern aus den Dörfern Galera, Estero de Platano, Quingue, Tongora, Tongorachi und Cabo San Francisco an der Küste Ecuadors.

Zum Projektstart ein Bericht von Dirk Riebensahm