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Mehr Meer Mär (2005)

Ein Pilotprojekt zur Wahrnehmungssensibilisierung

 

Naturwissenschaftliche Kenntnisse und genaue Beobachtungen sind nicht die einzigen Zugangsmöglichkeiten zu Lebensformen, natürlichen Phänomenen und ihren Kommunikationsformen, die ausserhab und relativ unabhängig von der menschlichen Wahrnehmung existieren. Alle alten Kulturen haben ihre Auffassungen von Umwelt im weitesten Sinne in Mythen, Märchen, Sagen und Balladenstoffe gehüllt.

 

Welche Bilder entwerfen diese Texte von den Beziehungen der Menschen damals zu ihrer natürlichen Umgebung und wie werden diese Bilder heute aufgenommen? Welche Möglichkeiten gibt es, einer breiten Öffentlichkeit brisante ökologische Probleme mitzuteilen – ohne vordergründig didaktisch zu agieren? Wie lassen sich diese Formen der Sensibilisierung über künstlerische Ausdrucksformen, Musik, Theater, multimediale Darstellungen etc. vermitteln?

 

Das Projekt konfrontiert mit interdisziplinären Fragestellungen auf der Schnittfläche von Kultursemiotik, Sprachwissenschaft und Ökologie am Beispiel maritimer Forschung: Whalewatching auf den Kanaren zwischen Projektion, Romantik und Kommerz.

 

Neben der Analyse nachhaltiger Methoden zur informellen Umweltbildung vor Ort in Zusammenanrbeit mit der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder und der Universität La Laguna in Teneriffa werden parallel zu laufenden biologisch orientierten Praktika ergänzende Veranstaltungen angeboten, die sowohl kulturwissenschaftlich relevante Hintergrundinformationen zu den Walen (Ceteacea) geben als auch künstlerische Formen der Präsentation zur Diskussion stellen. Themen wie Bioakustik, Sonarsystem und „Walgesang“ sind dabei im Zusammenhang mit zunehmendem Unterwasserlärm ebenso interessant wie z.B der Delphin in seiner Verankerung in Mythos und Märchen der spanisch/kanarischen Tradition.

 

Es ist einer der Schwerpunkte des Projektes, nicht nur ein touristisches Publikum zu erreichen oder ohnehin ökologisch motivierte und gezielt aus dem Ausland angereiste „Whale watcher“, sondern auch die lokale Bevölkerung für den Reichtum ihrer Heimat zu sensiblisieren. Veranstaltungen auf den Kanaren stellen deshalb grundsätzlich Musik, Magie und Märchen der unmittelbaren Umgebung in den Vordergrund, sind auf maritime Stoffe orientiert und laufen prinzipiell zweisprachig. Programme dieser Art „Musica, Magia & Cuentos“ führten im Herbst 2003 bereits zu überraschenden Begegnungen zwischen den Künstlern und einheimischen Kanariern, die auf diese Weise teilweise bereits vergessene eigene Traditionen wiederentdeckten.

 

Selbstverständlich ist Musik dabei nicht nur ein hochwirksames emotionales Element, sondern darüber hinaus auch eine internationale Sprache, die über die jeweiligen Differenzen hinaus verbindend wirken kann. In Zusammenarbeit mit lokalen Kulturplattformen werden vor allem auf dieser Basis weitere regelmäßig stattfindende

Veranstaltungsformen entwickelt, die den Gedanken ‚Kunst und Kultur als Medium der Wahrnehmungssensibilisierung’ weiter tragen und im Zusammenhang mit der brisanten Situation mariner Ökologie zur Anwendung bringen.