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Der Südliche Ozean

 

Aufgrund einer Entscheidung der Internationalen Hydrographischen Organisation aus dem Frühjahr 2000 wurde ein neuer Ozean definiert. Demzufolge wurden die Gebiete des Atlantischen, des Indischen und des Pazifischen Ozeans südlich des 60. Breitenkreises auf der Südhalbkugel zum neuen Südlichen Ozean zusammen gefaßt. Dieser neue Ozean ist somit das viert größte Weltmeer (kleiner als der Pazifik, der Indik und der Atlantik, jedoch größer als der Arktische Ozean). Im Gegensatz zu allen anderen Weltmeeren umschließen die Wassermassen des Südozeans eine kontinentale Landmasse - nämlich die Antarktis -, und das über volle 360 Längenkreise.

 

Der Eisberg B10 (roter Pfeil, 38 mal 77 Kilometer, 90 m Höhe über Wasser und ca. 300 m Tiefgang), löste sich 1992 vom Thwaites-Gletscher. 1995 zerbrach er in zwei Teile, B10A und B10B, von denen der größere Teile B10A im Sommer 1999 die abgelegenen Gewässer der Antarktis verließ und in den Südlichen Ozean hineindriftete. (Radaraufnahme SeaWinds, QuikSca Satellit, NASA)

Der Südliche Ozean ist überwiegend zwischen 4.000 und 5.000 Meter tief. Die Antarktischen Schelfmeere sind generell schmaler und tiefer ausgeprägt als die Schelfgebiete der anderen Weltmeere.

 

Im April fängt das Meereis an, sich in Richtung Norden auszudehnen. Im Winter (Juli bis September) gefriert das Wasser des Südlichen Ozeans dann bis zu einer Breite von etwa 65 Grad Süd im Pazifischen Sektor und bis zu einer Breite von ca. 55 Grad Süd im Atlantischen Sektor. Das Meereis hat zumeist eine Dicke von ca. 0,5 bis 1 Meter und zeigt in seiner Ausdehnung sehr dynamische kurz- und langzeitige Veränderungen. Starke ablandige Winde vom Inneren des Antarktischen Kontinents halten schmale Küstensäume über den gesamten Winter hin eisfrei (sogenannte Polynien: vergl. Arktischer Ozean, insbesondere die Laptevsee).

 

Der antarktische Zirkumpolarstrom fließt beständig ostwärts. Dieser Kreislauf ist die weltweit größte Ozeanströmung und transportiert ca. 130 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Dies entspricht - auf das Jahr berechnet - der 100fachen Abflußrate aller Flüsse der Erde. Die Polarfront liegt inmitten des antarktischen Zirkumpolarstromes und ist die Trennlinie zwischen den sehr kalten polaren Oberflächenwässern im Süden und den wärmeren Wassermassen weiter im Norden. Große Eisberge mit mehreren hundert Metern Tiefgang kommen überall im Südlichen Ozean vor. Kleinere Eisberge und Bruchstücke von Eisschollen können auch noch weiter nördlich bis in die wärmeren Gewässern treiben. Während des eisfreien Sommers türmen starke Winde sehr hohe und lange Wellenberge im Südlichen Ozean auf.

 

Von den Rändern des Eisbergs B10A kalben eine Reihe vergleichsweise kleiner Eisberge. Da B10A sich jetzt in wärmeren Gewässern befindet, schmilzt er zunehmend schneller ab und stellt eine Gefahr für die Schiffahrt vor allem in der Drake-Strasse dar. (True- Color-Aufnahme, Landsat 7)

Wirbelstürme umkreisen den antarktischen Kontinent ebenfalls in östlicher Richtung; aufgrund der hohen Temperaturunterschiede zwischen Atmosphäre und Ozean sind die Stürme oftmals sehr stark. In der Zone zwischen 40 Grad Süd und dem südlichen Wendekreis wurden die bisher weltweit höchsten mittleren Windgeschwindigkeiten gemessen. Die erhöhte ultraviolette Strahlungsbelastung durch die Abnahme des atmosphärischen Ozons über der Antarktis hat in den letzten Jahren zu schädlichen Veränderungen des marinen Lebens geführt.

 

Viele antarktische Wirbeltiere ernähren sich von Krill. Dies macht die kleinen Krebsen innerhalb der antarktischen Nahrungskette zu einer Schlüsselspezies, die Fischen, Pinguinen und natürlich auch Bartenwalen als Nahrung dienen. Die Fleischfresser am obersten Ende der Nahrungskette - der Orca oder Killerwal und der Seeleopard - ernähren sich wiederum von Pinguinen, Kalmaren und Robben. Der Krill ist damit sehr wichtig für das gesamte Leben im Südlichen Ozean. Seit den späten 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wird er zudem stark befischt und eine ausgedehnte illegale und unregulierte Piratenfischerei bedroht heute die Krill- und Fischbestände des Südlichen Ozeans. Zudem werden durch verbotene Fangmethoden jährlich sehr viele Seevögel getötet.

 

Die Drakestraße zwischen dem Südzipfel Südamerikas und der Antarktis stellt einen alternativen Schiffsweg zum Panamakanal dar. Entlang der Küste des Antarktischen Kontinents existieren etliche Häfen. Die schweren Eisbedingungen lassen jedoch eine Nutzung der Häfen nur im Sommer zu; selbst zu dieser Jahreszeit können einige der Liegeplätze nur mit Eisbrecherunterstützung angesteuert werden. Die meisten antarktischen Häfen werden von regierungseigenen Forschungsstationen unterhalten und sind für kommerzielle oder gar private Schiffe nur im äußersten Notfall zugänglich.

 

Der Südliche Ozean unterliegt allen internationalen Abkommen, die auch für den gesamten Weltozean Gültigkeit besitzen. Zudem wurden von internationalen Kommissionen etliche Vereinbarungen über den Walfang und zum Erhalt der Robben sowie deren Lebensgrundlagen in der Antarktischen Region getroffen. Viele Nationen haben die Erkundung und Ausbeutung von Bodenschätzen südlich der Polarfront in ihren Sektoren verboten.

 

Im Jahre 1910 startete das norwegische Forschungsschiff “Fram” auf ihre dritte lange Reise. Unter dem Kommando von Roald Amundsen fuhr das Schiff mit seiner Besatzung in den Südlichen Ozean. Am 14. Dezember 1911 erreichte Amundsen zu Fuß als ersten Mensch den Südpol! Weitere wissenschaftliche Pionierarbeit im Südatlantik wurde von der “Meteor” in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts geleistet. Eine umfassende Studie des gesamten Südlichen Ozeans wurde in den 30er Jahren von der “Discovery II” durchgeführt und erbrachte eine Zusammenstellung der ersten ozeanographischen Karten für diese Gewässer.

 

Neben der Fischerei und (wenig) Tourismus gibt es bislang keinerlei Wirtschaftsaktivitäten auf dem antarktischen Kontinent oder in den umgebenden Gewässern. Nahezu alle Touristen sind Passagiere auf kommerziellen Kreuzfahrtschiffen oder privaten Jachten. Die meisten Touristenfahrten in diese Region dauern ca. 2 Wochen.

 

Riesige Öl- und Gasfelder werden unter den tiefen Gesteinsschichten des Antarktischen Kontinentalrandes vermutet. Unter den natürlichen Resourcen der Antarktis finden sich zudem Manganknollen, Sand und Kies, Frischwasser von Eisbergen, Kalmare, Wale, Fisch, Robben und Krill. Die seit geraumer Zeit geschützten Bestände der Fellrobben haben sich nach ihrer starken Bejagung im 18. und 19. Jahrhundert wieder deutlich erholt.

 

 

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