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Kreuzfahrttourismus in die Arktis

von Miriam Geitz, WWF International Arktis-Programm

 

Svalbard, Norwegen: Touristen im Zodiak-Schlauchboot
Walrösser am Strand von Svalbart (©WWF / Peter Prokosch)

Touristen reisen schon seit geraumer Zeit auf Schiffen in die Arktis. Das Archipel Svalbard (Spitzbergen) zum Beispiel, welches zwischen dem norwegischen Festland und dem Nordpol liegt, wurde erstmals in den 1890igern von zahlenden Reisenden per Boot besucht. Heute zieht die Arktis trotz ihrer Abgelegenheit und ihres rauen Klimas mehr und mehr Besucher an. Und das ist auch nicht weiter verwunderlich.

 

Anders als die Antarktis ist die Arktis ein Meer, das von einer Eiskappe bedeckt ist. Das Eis schmilzt niemals ganz, sondern verändert sich je nach Jahreszeit. Mal dringt es weiter vor, mal zieht es sich zurück. Unter dieser Eiskappe und entlang ihrer Kanten bietet die Arktis eine reiche Tierwelt, wie z.B. den Polarbär, das Walross und den Narwal. Außerdem wurden hier die Ureinwohner nicht so stark durch die moderne Welt beeinflusst und konnten ihren Lebensstil und ihre Traditionen besser bewahren.

 

Der Schiffstourismus in die Arktis war traditionsgemäß auf kleine Gruppen beschränkt und die Zahlen insgesamt waren vergleichsweise niedrig. Das weltweite Kreuzreisengeschäft hat jedoch in jüngster Zeit stark zugenommen. Das bedeutete größere Kreuzfahrtschiffe mit mehr Anlaufhäfen auf den Reisestrecken. In den letzten Jahren sind die populärsten Reiseziele in der Arktis, Svalbard und Alaska, von immer größeren Schiffen angelaufen worden. Auch andere Regionen der Arktis, wie z.B. das arktische Kanada und Grönland, werden heute in den Sommermonaten regelmäßig von Kreuzfahrern besucht.

 

Die Herausforderung

Schiffstourismus hat das Potential, eine der heute verfügbaren Reiseformen mit dem geringsten Einfluss auf die Umwelt zu werden. Ob dieser Tourismus „gut” oder „schlecht” ist, hängt von der Art ab, wie er stattfindet. Der Schiffstyp, die technische Ausstattung und die Art, wie das Schiff betrieben wird, sind Teil des ökologischen Fingerabdrucks eines Kreuzfahrtschiffes. Moderne Technologien an Bord der Schiffe ermöglichen es heute, Schadstoffemissionen und den Abfall, der während der Reise anfällt, zu verringern. Dennoch sorgen gerade große Kreuzfahrtschiffe immer wieder für Schlagzeilen, weil sie unzureichend behandeltes Schmutzwasser und anderen Müll in sensiblen Gewässern verklappen.

 

Frau der Inuit im Clyde River, Nunavut, Kanada. (©WWF / Peter Prokosch)

Es ist aber nicht nur die technische Seite der Kreuzfahrten, die Einfluss auf ihre Auswirkungen hat. Kreuzfahrtschiffe können auch naturbelassene Gegenden besuchen, die auf anderem Wege nicht erreichbar und häufig extrem sensible Lebensräume sind. Dies gilt besonders für die Arktis, wo Flora und Fauna unter extremen klimatischen Bedingungen überleben müssen. Die wenigen wärmeren Sommermonate sind für sie lebensnotwendig. Negative Einflüsse sind häufig nicht sofort sichtbar. Deshalb sind sowohl die Veranstalter, die Reiseleiter als auch die Besucher dafür verantwortlich, sich an Bord und an Land richtig zu verhalten.

 

Ein anderer wichtiger und einzigartiger Aspekt des Kreuzfahrttourismus in der Arktis ist der Kontakt zu verschiedenen Ureinwohnern. Auch wenn der Schwerpunkt der Arktiskreuzfahrten insgesamt weiterhin auf der Tierwelt und dem „Erlebnis Wildnis” liegt, integrieren immer mehr Veranstalter auch Besuche bei den Gemeinschaften der Ureinwohner in ihren Reiseplan. Es ist wichtig, dass diese Besuche zusammen mit der örtlichen Bevölkerung - zu ihrem Vorteil – geplant werden.

 

Die Arktis ist auch reich an kulturellen und historischen Stätten. Es ist wichtig, dass die Touristen diese Orte wirklich respektieren und dass die Reiseleiter und Veranstalter gut darauf achten, dass keine Artefakte verstellt oder entfernt werden. Die zehn Grundsätze des Arktis-Tourismus beschäftigen sich mit dem Thema eines verantwortungsvollen Tourismus in der Arktis. Diese Leitlinien für Touristen und Veranstalter wurden von einer Gruppe verschiedener Interessenvertretungen unter Anleitung des WWF Arktis-Programms entwickelt.

 

Ausblick

Grönland: In den kurzen Sommermonaten erblüht der Arktische Mohn. (©WWF / Peter Prokosch)

Im Hinblick auf die touristische Nutzung ist die Arktis keine homogene Region. Einige Gegenden beteiligen sich bereits seit Jahrzehnten am Tourismus, während der Großteil erst in jüngerer Zeit damit in Berührung kommt. Die Kreuzfahrten in die Arktis werden in den nächsten Jahren wahrscheinlich noch zunehmen.

 

Veranlasst durch das Potential und das Wachstum des Kreuzfahrttourismus in der Arktis haben sich Regierungen und andere Interessenvertretungen, wie z.B. örtliche Gemeinschaften, näher mit dieser Industrie beschäftigt. Die Auswirkungen dieses gesteigerten Interesses, sowie die Mittel für die Umsetzung der Ergebnisse sind verschieden, aber es ist klar, dass der Schiffstourismus weiterhin aufmerksam beobachtet wird. Veranstalter werden sich daher verstärkt mit verschiedenen Interessenverbänden auseinander setzten müssen, wenn sie effektiv arbeiten wollen. Darüber hinaus machen unterschiedliche gesetzliche Anforderungen, die Größe der Region und das Fehlen eines zentralen Ansprechpartners die Kreuzfahrtaktivitäten sehr komplex.

 

Die Antarktik-Kreuzfahrtindustrie hat sich organisiert, um Best Practice-Beispiele im Hinblick auf ihre Umwelteinwirkungen und ihre Betriebssicherheit zu fördern. Die „International Association of Antarctica Tour Operators“ ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen im Hinblick auf Antarktis-Kreuzfahrten. Jedes Unternehmen, das Mitglied werden möchte, muss sich an die Richtlinien und Verfahren des Vereins halten. Was als Initiative einiger engagierter Veranstalter begann, hat jetzt für fast alle kommerziellen Kreuzfahrtveranstalter in der Antarktis zu einem Anheben der Messlatte geführt.

 

Es ist nicht klar, ob die Kreuzfahrtveranstalter der Arktis dem Antarktis-Modell folgen sollten. Es ist aber klar, dass der Kreuzfahrttourismus ein wirtschaftlicher, sozialer und ein Umweltfaktor im Nordmeer ist und dass die Art, wie der Tourismus stattfindet, für die langfristige Nachhaltigkeit der Industrie bestimmend sein wird. Sie wird außerdem Einfluss darauf haben, ob die arktische Natur und Kultur intakt bleiben.

 

 

 

Mai 2003: 14. Treffen der International Association of Antarctica Tour Operators (IAATO)

 

Die Teilnehmer des 14. Allgemeinen Treffens der International Association of Antarctica Tour Operators (IAATO) Anfang Mai 2003 in Seattle befassten sich unter einem außerordentlichen Tagesordnungspunkt auch mit der Frage der Einrichtung einer Arktis-Sektion.

 

Zwar wurde erwartungsgemäß keine neue oder angeschlossene Organisation gegründet, doch so unterschiedlich die Gründe dafür auch waren, deutlich wurde, dass eine arktische IAATO-Variante andere Aufgabenschwerpunkte haben müsste als in der Antarktis, und einmütig wurde festgestellt, dass das Ziel ein ganzheitlicher Ansatz für die Arktis sein muss.

 

„Die anwesenden Delegierten unterstützen die Mitglieder der IAATO, die in Anerkennung der Tatsache, dass die IAATO ein Best Practice-Beispiel in der Tourismusindustrie darstellt, eine informelle Untergruppe ins Leben rufen wollen, um mit dem Arctic Council in Dialog zu treten. Dabei handelt es sich nicht um ein formelles Mandat der IAATO. Die anwesenden Arktis-Reiseveranstalter befolgen und unterstützen uneingeschränkt „Die zehn Grundsätze des Arktis-Tourismus" des WWF und möchten die Abstimmung ihrer Aktivitäten mit dem WWF fortsetzen.“

 

IAATO wird also zunächst die Voraussetzungen einer Erweiterung der Organisation nach Norden untersuchen, während einige der auf Svalbard operierenden IAATO-Veranstalter in einem ersten Schritt versuchen werden, ihre „Fahrpläne" zu koordinieren, wie es in der Antarktis bereits länger gang und gäbe ist.

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