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Das El-Niño-Phänomen

El Niño und La Niña
Fischereihafen in der Wüste: Arica in Nord-Chile

Wie bedeutend die untrennbare Kopplung von Ozean und Atmosphäre für die Gestaltung des Klimas ist, zeigt El-Niño (das Christkind): Eine warme Meeresströmung, ausgelöst durch eine Verschiebung der Hoch- und Tiefdruckgebiete im südwestlichen Pazifik, verdrängt in unregelmäßigen Abständen um die Weihnachtszeit (daher der Name) den nährstoffreichen Humboldtstrom vor der Westküste Südamerikas. Das etwa 28ºC warme, nährstoffarme Wasser schiebt sich über den rund 20°C kühlen Strom. Mit dem Ausbleiben der Nährstoffe geht die Planktonproduktion zurück und die Fische wandern ab - mit den entsprechenden wirtschaftlichen Konsequenzen für die Fischer und fatalen Folgen für Seevögel und Robben.

 

Und auch das Wettergeschehen in den betroffenen Regionen ändert sich dramatisch: Normalerweise nehmen die ohnehin trockenen Winde über den kalten Meeresströmungen nur wenig Wasser durch Verdunstung auf. Die Folge ist, das die Regionen in ihrer ganzen Ausdehnung ausgesprochen niederschlagsarm sind. Daher finden sich an den Küsten der Auftriebsgebiete die trockensten Regionen der Welt, die Atacama-Wüste in Chile und die Namib-Wüste in Namibia.

 

Über dem durch El-Niño erwärmten Wasser wird die Schichtung der Atmosphäre bei erhöhter Verdunstung labiler, sintflutartige Regenfälle gehen nieder, verbunden mit schwerem Hochwasser. So gingen 1982/83, in einem besonders schlimmen El-Niño-Jahr, auf der Galápagosinsel Santa Cruz, die sonst 460 mm Jahresniederschlag verzeichnet, mindestens 3.225 mm nieder. Darüber hinaus sind die Folgen nicht nur in Peru und Ecuador, sondern auch in Mittelamerika und Australien zu spüren, wo in diesen Jahren weniger Niederschlag fällt

 

Auch wenn die Auswirkungen des El-Niño 1997/98 gravierender waren als je zuvor, bleibt das Phänomen an sich doch ein natürlicher Klimazyklus, der alle drei bis acht Jahre auftritt. Bis 400 Jahre zurück haben Wissenschaftler die stets um Weihnachten auftretenden El-Niños in ihren Daten rekonstruieren können, und zumindest einige davon erreichten die Ausmaße des vorletzten großen El-Niños von 1982/83.