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Nachhaltige Fischerei?

Zu einer nachhaltigen und umweltgerechten Bewirtschaftung der Fischbestände, wie sie in vielen regionalen wie weltweiten Übereinkommen gefordert wird, ist es noch ein weiter Weg. Und die Zeit drängt, denn erstmals in der Geschichte ist die bedeutendste Nahrungsressource in vielen Regionen der Erde gefährdet und der Zustand der Fischbestände weltweit besorgniserregend. Leergefischt sind die Ozeane noch nicht, aber die Zeichen stehen schlecht.

 

Zweimal jährlich tagt eine internationale Wissenschaftlergruppe des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) und erarbeitet für verschiedene Kommissionen und Regierungen wissenschaftliche Fangempfehlungen für die kommerziell genutzten Fischbestände des Nordost-Atlantiks. Ende Oktober 2002 empfahlen die Wissenschaftler, die Fischerei auf Kabeljau in der Nordsee, in der Irischen See und vor der Westküste Schottlands ab 2003 zu schließen. Auch alle Fischereien, in denen Kabeljau-Beifänge unvermeidlich sind, sollten geschlossen werden: die Fischereien auf Wittling und Schellfisch, aber auch die auf Plattfische wie Scholle und Seezunge.

 

Die Kabeljaubestände sind in diesen Gebieten so reduziert worden, dass ein Zusammenbruch unmittelbar droht. Und nicht nur die Gesamtmenge der Speisefische hat abgenommen. Kabeljau, der normalerweise bis zu 25 Jahre alt wird, erreicht in der Nordsee nur maximal sieben bis acht Jahre. Wegen der fehlenden älteren Jahrgänge, die mit zunehmender Körpergröße für weitaus mehr Nachwuchs sorgen als kleinere Exemplare, wird die Reproduktionsfähigkeit immer schlechter. Um den einstmals hochproduktiven Beständen eine Chance zur Erholung zu geben, kann nur ein absoluter Fangstopp für die meisten Fischarten in der Nordsee den Bestand noch retten. Alle anderen Schutzmaßnahmen gehen den Wissenschaftlern nicht weit und vor allem nicht schnell genug.

 

Wiederholt sich in europäischen Gewässern, was Anfang der neunziger Jahre mit dem Kollaps der Kabeljaubestände auf den Grand Banks vor Neufundland tausende Fischer den Job kostete?

 

Das Vorsorge-Prinzip

Weil für viele wirtschaftlich wichtige Fischarten in der Welt keine oder nur unzuverlässige Schätzungen der Bestände vorliegen und auch die Auswirkungen der intensiven Fischerei auf die marinen Ökosysteme längst nicht wirklich verstanden sind, müssen sich Planungen und Entscheidungen des Fischerei-Managements viel stärker an der Vermeidung möglicher Folgeschäden orientieren. Nach diesem Vorsorge-Prinzip ist Fischerei so zu betreiben, dass eine unwiderrufliche Schädigung von Meeresorganismen oder Ökosystemen mit hoher Wahrscheinlichkeit auszuschließen ist. Und den Nachweis, dass dies auch so ist, hat derjenige zu erbringen, der die marinen Ressourcen ausbeuten will und für das Fischereimanagement verantwortlich sind.

 

Die Anwendung des Vorsorgeprinzips bei der fischereilichen Bewirtschaftung muss sich z.B. bei der Festlegung der Fangquoten und durch die Einrichtung oder Erweiterung von Schutzgebieten, in denen die Fischerei eingeschränkt oder verboten ist, niederschlagen.

 

Weltweite Fangmengen seit 1950 (Angaben zur Aquakultur vor 1984 Schätzungen) (Quelle: FAO)
Zustand der globelen Fischbestände 1999 (Quelle: FAO)

Daten und Fakten - Zahlenspiele

Der jährliche Weltfischereiertrag (Binnen- und Meeresfischerei sowie Aquakultur) ist seit 1950 kontinuierlich von 20 Mio. Tonnen auf 126 Mio. Tonnen in 1999 angestiegen. Noch vor 15 Jahren war man der Auffassung, dass die Anlandungen der weltweiten Seefischerei sich weiter und weiter steigern würde. Laut Statistik der FAO, der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, haben sich die Fangmengen während der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts aber bei jährlich etwa 85 bis 95 Mio t eingependelt. Während die Nachfrage nach Nahrung aus dem Meer immer weiter ansteigt, scheint die globale Fischerei trotz intensivierten Fischfangs die Grenzen des Wachstums längst überschritten zu haben.

 

Über 30% des angelandeten Fischs dient nicht der menschlichen Ernährung sondern wird direkt zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet. Als Futter für Schweine oder Lachse in der Massentierhaltung verarbeitet die Industrie jährlich rund 30 Mio. t.

 

Tatsächlich dürfte die globale Fangmenge dennoch um einiges höher liegen, denn in die Statistik kann nur eingehen, was von den Fischern gemeldet und den Mitgliedsstaaten an die FAO weitergegeben wird. Schätzungsweise 20 Mio. t werden wohl gar nicht erst erfasst.

 

Hinzu zu zählen ist auch der Beifang mit vermutlich weiteren 30 Mio. t jährlich, der in der Statistik unberücksichtigt bleibt. Nicht erfasst werden auch in vielen Staaten die Fänge kleinerer Küstenfischereien und auch der Anteil der illegalen Fischerei findet sich nicht in dem alle zwei Jahre erscheinenden Zahlenwerk. Es fällt nicht schwer die jährlich aus dem Meer geholte Menge an Fisch und Krustentieren auf über 200 Mio. t hochzurechnen. Weltweit sind 70 % der kommerziell wichtigsten marinen Fischbestände bis an ihre Grenzen befischt, überfischt oder erschöpft. Nur 25 Prozent der Bestände gelten derzeit als konstant – noch.

 

Angesichts solcher Zahlen stellt sich die Frage, wie viel Fisch denn überhaupt gefangen werden darf, ohne die Bestände dauerhaft zu zerstören?