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Patagoniens Küstenregion

Nachhaltige Entwicklung und Naturschutz in Chiles Süden

Der chilenische Teil Patagoniens, der sich etwa vom 41. bis zum 56. südlichen Breitengrad erstreckt, ist eine biologisch vielfältige Region, die, geprägt von einer äußerst kreativen Geographie, einen enormen Abwechslungsreichtum in Bezug auf Landschaften, Klimata, und Ökosysteme aufweist: von den patagonischen Pampas, über die Berge Fjorde, Kanäle und Inseln im Osten (aufgrund derer die Kordilleren der Anden teilweise im Pazifischen Ozean liegen), bis hin in den Westen des Landes.

 

Den gemeinsamen Nenner, der für ganz Patagonien charakteristisch ist, bilden zweifelsfrei die Küstenregionen, d.h. sowohl die kontinentalen Ufergebiete als auch die Küsten der zahlreichen Fjorde, Halbinseln und unzähligen Inseln. Das Wasser in den Fjorden und zwischen den Halbinseln und Inseln weist einen anderen Salzgehalt auf als das des offenen Meeres, wodurch sich eine größere Vielfalt an ökologischen Nischen, und somit ein größerer Artenreichtum entwickeln konnte. Aus diesem Grund bietet der patagonische Teil des Ozeans eine außerordentlich reiche maritime Flora und Fauna; es wimmelt vor unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten einschließlich verschiedener Delfin- und Walarten.

 

Ein Charakteristikum Patagoniens ist der enorme Reichtum an Süßwasser.

Ein weiteres Charakteristikum Patagoniens ist der enorme Reichtum an Süßwasser in weiten Teilen der Region, der für die Entstehung wichtiger großer und kleiner Wasserscheiden und zahlreicher Flüsse, Seen und Gletscher, sowie dreier ausgedehnter Eisfelder (mit einer Gesamtfläche von fast 17.000 km²) verantwortlich ist. Diese Eisfelder bilden die einzigen kontinentalen Überreste der letzten Eiszeit, eine der letzten Trinkwasserreserven der südlichen Hemisphäre und eine der größten des Planeten. Der ‘Rio Baker’ in Patagonien ist Chiles längster Fluss, und der ‘Lago General Carrera’ der größte See des Landes. Diese Eigenschaften verleihen Patagonien aus geographischer und ökologischer Sicht eine sehr maritime und aquatisch geprägte Identität, was noch durch die Tatsache verstärkt wird, dass die moderne Besiedlung vom Ozean aus stattfand.

 

Die geographisch isolierte Lage Patagoniens hat dazu beigetragen, dass es bis vor nicht allzu langer Zeit von der beschleunigten wirtschaftlichen Entwicklung der anderen chilenischen Regionen ausgenommen war, die auf dem Abbau und der Erstverarbeitung von Primärmaterial und natürlichen Rohstoffen basiert. Folglich ist Patagonien auch von den meisten ernsthaften negativen Auswirkungen der Erschließungsmethoden des zentralen Chile verschont geblieben, die sich seit Kolonialzeiten auf die erste (oder auch primitivste) Produktionsphase beschränken.

 

Trotz des außerordentlichen und auch international anerkannten ökologischen und kulturellen Wertes von Patagonien gibt es doch multinationale Unternehmen, die hier überdimensionale Industrieprojekte umsetzen wollen: groß angelegte Lachszucht, enorme Wasserkraftwerke, Bergbau, Plantagen und dergleichen mehr. Folglich gibt es einen akuten Bedarf für die schrittweise Entwicklung eines detaillierten Plans für ergebnisorientierte und fokussierte Arbeit, die zwischen den regionalen, nationalen und internationalen NROs abgestimmt werden muss, welche sich für die umweltpolitische Verteidigung von Patagoniens einsetzen, um mittel- und langfristig die Umsetzung umweltschädlicher Projekte zu verhindern und auf Nachhaltigkeit ausgelegte wirtschaftliche Alternativen zu diskutieren, zu entwerfen und voranzutreiben.

 

Was bis zum Ende der Projektförderung erreicht wurde

Im Nationalpark Torres del Paine

Resultate des Projektes sind die Erfassung, Zusammenstellung und Analyse von Informationen über die Meeres- und Küstenökosysteme von Patagonien sowie der Biodiversität, die industriellen Bedrohungen, die Umweltschutzinitiativen und das Potential ökonomischer Alternativen wie etwa Ökotourismus.

 

Die Abschluss dieses Projektes wurde durch die Aufarbeitung der Informationen für die Webseite www.ecosistemas.cl sowie die Zusammenstellung der Informationen in einer kurzen Studie dokumentiert. Auch wurden umweltgerechte Strategien und Kampagnen zur Schaffung eines ökologischen Bewusstseins in der Öffentlichkeit entwickelt.

 

Damit ist die Basis geschaffen worden, um den Verbund von Personen und Organisationen auf einem regionalen, nationalen und internationalen Niveau für einen vorausschauenden Umweltschutz an Patagoniens Küste zu koordinieren.

 

Mit der Zusammenführung der Daten in einer Datenbank wurde ein Beitrag zur Steigerung der Möglichkeiten und internen Kommunikation regionaler Organisationen, besonders in den Bereichen umweltgerechter Strategien und der Mittelbeschaffung geleistet.

 

Die Datenbank führt Angaben zu Personen und Organisationen, führt Kontakte zur nationalen und lokalen Presse auf, liefert Angaben zu Vertretern des Parlaments (Senatoren und Diplomaten), die Regierungsorganisationen auf einem nationalen und regionalen Niveau sowie unabhängige Fachleute. Die Datenbank mit derzeit insgesamt 2.800 Datensätzen wird laufend aktualisiert. Als Teil der gemeinsamen Arbeit ist die Datenbank anderen Organisationen zugänglich gemacht worden.

 

 

Zusammenstellung der Informationen

Ein Projektziel war die Zusammenstellung von allgemeinen Informationen über das chilenische Patagonien. Diese Ausarbeitung erfolgte in mehreren Arbeitsschritten:

- Sammlung der Informationen über die patagonische Küste unter ökonomischen, sozialen und ökologischen Aspekten.

- Strukturierung der relevanten Informationen, um sie durch verständliche Themenbildung besser nutzbar zu machen.

- Erstellung einer Studie, die die ökonomische, soziale und politisch – administrative sowie ökologische Situation Patagoniens abbildet.

 

Die Studie gibt einen allgemeinen Überblick über die Küste Patagoniens als Ökosystem, den historischen Kontext und die Kultur. Es wird der Naturraum des chilenischen Patagoniens als Teil der chilenische Staatsgebietes darstellt, über dessen Erhaltung, das Wirtschaftsleben und mögliche Bedrohungen referiert. Zudem wurden während der vom Projekt organisierten Seminaren und Tagungen Interview mit den Teilnehmern geführt und in der Studie wiedergegeben. Eine umfangreiche Bibliografie stellt das bisherige Wissen zusammen. Die Veröffentlichung der Studie ist für Mitte 2007 geplant.

 

 

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Das Projekt-Team

Das Projekt "Chilenische Küstenregion Patagoniens – Nachhaltige Entwicklung und Naturschutz in der patagonischen Küstenregion”, ist eine einjährige Initiative, die von der Lighthouse Foundation und der Marisla Foundation aus Kalifornien, USA mitfinanziert wird. Das Projektteam gründete sich im Jahr 2001 als “Alianza Aysén Reserva de Vida” mit dem Ziel, den regionalen, nationalen und internationalen Widerstand gegen das Alumysa-Projekt zu koordinieren, ein Aluminiumwerk, das die kanadische Minengesellschaft Noranda mitten in Patagonien bauen lassen wollte.

 

Nach drei Jahren intensiver Arbeit, die sich auf den Widerstand gegen Alumysa konzentrierte, wurde das Aluminiumprojekt ausgesetzt, und heute entwickelt die gleiche Gruppe unter dem Namen Ecosistemas auf der Basis der gesammelten Erfahrungen innovative Projekte für den Umweltschutz in Patagonien. Die Mitglieder der Alianza haben gute Beziehungen zu den Organisationen vor Ort, zu führenden Umweltschützern und zu Vertretern aus verschiedenen Bereichen aus dem privaten und öffentlichen Sektor in Patagonien aufgebaut.