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Studie zum nachhaltigen Schutz der Ostseestrände

Die Strände der Ostseeküste unterliegen einer starken touristischen Nutzung, die bei intensivem Badebetrieb den dort lebenden Pflanzen und Tieren kaum Überlebenschancen bietet. Küstenschutz oder Vögel werden oft noch berücksichtigt, die heimische Flora und Fauna wird dagegen eher selten in Betracht gezogen. Viele Strandbesucher wissen nicht, wer unter dem Badehandtuch krabbelt.

 

Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass bereits eine geringe Nutzung des Strandes die Artenvielfalt der dort lebenden Tiere verringert und ihre Zusammensetzung verändert. Während seltene Laufkäferarten, wie der Strand-Sandlaufkäfer (Cicindela maritma) verschwanden, setzten sich robuste Arten der Ackerlebensräume auf stark genutzten Stränden durch. Bei Vegetationsuntersuchungen an Ostseestränden wurden ebenfalls entscheidende Unterschiede in der Deckung und Artenzusammensetzung der Pflanzen zwischen genutzten und ungenutzten Stränden festgestellt.

 

Das Projekt zur “Entwicklung eines Konzeptes zum nachhaltigen Schutz der Ostseestrände“ des Instituts für Ökosystemforschung, Abteilung Angewandte Ökologie, Universität Kiel, widmet sich diesem Problem. Es werden unterschiedliche Untersuchungen zu den Lebensansprüchen der verschiedenen Strandbewohner vorgenommen.

 

Naturnahe Strandvegetation, die im unteren Bereich nur durch die Hochwassergrenze beschränkt wird.
Trittfeld auf einem intensiv genutzten Strand mit rudimentärer Strandvegetation im oberen Bereich vor dem Strandwall.

Zur Beurteilung der Strandnutzung durch den Menschen werden Untersuchungen zur Trittintensität durchgeführt. Hierzu werden Flächen am Strand regelmäßig geebnet und die über den Tag entstandenen Trittspuren dokumentiert. Die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegenüber Tritt wird durch Vegetationsaufnahmen an unterschiedlich genutzten Stränden ermittelt. Außerdem soll experimentell getestet werden, wie typische Strandpflanzen auf verschiedene Trittstärken reagieren. Hierzu werden Meerkohl (Crambe maritima), Salzmiere (Honckenya peploides), Meersenf (Cakile maritima) und Spießmelde (Atriplex prostrata) im Botanischen Garten der Universität vorgezogen. Im Frühjahr werden sie an den drei Ostseestränden ausgepflanzt und gezielt unterschiedlichen Trittintensitäten ausgesetzt. Die Strände, die für diesen Zweck zur Verfügung stehen, liegen an der Schleimündung, in der Strandseenlandschaft Schmoel und am kleinen Binnensee bei Behrensdorf. Durch diesen breit angelegten Versuch können konkrete Aussagen über die Resistenz der einzelnen Pflanzenarten und ihre Keimungsrate unter natürlichen Nutzungsbedingungen getroffen werden.

 

Parallel laufen Untersuchungen zum Raumbedarf von Wolfsspinnen am Strand. Die große Flussuferwolfsspinne (Arctosa cinerea) hat sich am Ostseestrand etabliert. Sie zählt zu den größten Spinnenarten Deutschlands und ist sonst an Flussläufen mit einem lockeren Kiesbett, z.B. im Alpenvorland, zu finden (Framenau et al. 1996). Kleinere Wolfsspinnen, z.B. Arctosa perita und Pardosa agricola, die ebenfalls den Strand bewohnen, werden in die Untersuchung mit einbezogen. Es gilt zu klären, ob der ihnen zu Verfügung stehende Lebensraum in Schutzgebieten ausreicht, um langfristig ein Überleben der Arten am Strand zu sichern. In den drei Untersuchungsgebieten werden jeweils auf einer Strecke von 150 m regelmäßig Tiere gefangen und mit Hilfe von Opalithplättchen markiert. Auf diese Weise können für jedes Individuum das Bewegungsmuster und der Raumbedarf bestimmt werden und Rückschlüsse auf den Flächenbedarf einer kleinsten überlebensfähigen Population geschlossen werden.

 

Ein Teil dieses Projektes widmet sich dem Versuch der Wiederansiedlung des Strand-Sandlaufkäfers, um die letzte noch existierende Population an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste zu stützen. In 2011 wurden das erste Mal 20 Exemplare einer stabilen Population von List (Sylt) im Schutzgebiet der Strandseenlandschaft bei Schmoel ausgebracht. Die Entwicklung dieser neuen Population wird in den folgenden Jahren dokumentiert. Die Ergebnisse fließen in die Bewertung zum Raumbedarf von Populationen am Strand lebender Tiere ein.

 

Mit den Ergebnissen der Untersuchungen soll in Zusammenarbeit mit den Gemeinden ein Konzept entwickelt werden, das neben der touristischen Nutzung der Strände auch das Überleben der Arten langfristig sichert. Dieses Konzept zum nachhaltigen Schutz der Ostseestrände soll die Interessen aller Nutzer berücksichtigen, flexible Lösungen beinhalten und an lokale Gegebenheiten anpassbar sein.

 

 

 

Projektpartner:

Prof. Ulrich Irmler

Institut für Ökosystemforschung

Abteilung: Angewandte Ökologie

Olshausenstrasse 75

24118 Kiel

 

Berichte:

Ostseestrand 2014: Jahresbericht

Ostseestrand 2013: Jahresbericht

Ostseestrand 2012: Jahresbericht