Test Design Lighthouse


„Mensch und Meer“ - Lernen als besonderes Erlebnis

Das Handbuch basiert auf den Erfahrungen, die die Mitglieder des Vereins "Hohe Tied" aus Kiel auf ökologischen Segeltörns und anderen Umweltbildungsveranstaltungen gesammelt hat. Es richtet sich an alle, die Umweltbildung auf und an der Ostsee durchführen oder anbieten wollen. In handliche Arbeitskapitel aufgegliedert kann mit dem Handbuch je nach Teilnehmerkreis, Zeitrahmen und Ort ein eigenes Programm zusammengestellt werden.

 

"Mensch & Meer" ist für keinen fest umrissenen Teilnehmerkreis konzipiert, vielmehr ist das Konzept auf ganze unterschiedliche Zielgruppen übertragbar. Es ist in jahreslanger praktischer Erfahrung gewachsen, die die Mitglieder von Hohe Tied e.V. mit den unterschiedlichsten Gruppen sammeln konnten. Für Schulklassen, Bildungsurlauber, Familien, Kinder-­ und Jugendgruppen, für Menschen mit und ohne Vorwissen lassen sich aus den vorhandenen Materialien problemlos Exkursionen und Vorträge auf unterschiedlichstem Niveau zusammenstellen.

 

Der Verein „HoheTied e.V.“ ist eine regionale Umweltorganisation mit Sitz in Kiel. Sein Anliegen ist der Schutz der Meere, insbesondere der Nord- und Ostsee. Der Schwerpunkt der Vereinsarbeit liegt auf der Umweltbildung: der Information, der Vermittlung von Zusammenhängen und Begeisterung für den einzigartigen Lebensraum. Zielgruppen für die auf Segelschiffen stattfindenden Ausfahrten sind Familien, Erwachsene und Kinder.

 

 

 

 

Eine Ausfahrt mit "Carola" - Expedition unter Segeln

„Puh, das stinkt!“ Der Bodengreifer fördert schwarzen, nach Schwefel riechenden Schlamm nach oben.

Das Metallgerät, das aussieht wie eine kleine Baggerschaufel, verschwindet in der Kieler Förde und wird langsam in die Tiefe hinabgelassen. „Und gut festhalten!“ ermahnt Alexander Sporleder die Mitfahrer des Törns. Die Schaufel ist ein Bodengreifer, der sich am Grund automatisch schließt. Dann wird er mitsamt einem kleinen Stück Ostseegrund wieder an die Oberfläche geholt und auf das Deck des Traditionsseglers „Carola“ gehievt. Ein anderes Gerät wird an der Backbordseite hinabgelassen. Es ist eine Sonde, die den Sauerstoff- und Salzgehalt, sowie die Temperatur in verschiedenen Wassertiefen aufzeichnet. Und eine dritte Gruppe holt vorne am Bug gerade ihr Planktonnetz wieder an Bord.

 

Für einen Tag haben die 20 Schüler der Klaus-Groth-Schule aus Neumünster die Wände des Biologieraums gegen die Planken der „Carola“ getauscht, um an einer ökologischen Schiffsausfahrt teilzunehmen. Organisiert wird diese Fahrt vom Verein Hohe Tied e.V. aus Kiel. Die Mitglieder des Vereins führen seit zehn Jahren ehrenamtlich Ausfahrten auf Traditionsseglern durch, bei denen die Teilnehmer selbst zu Meeresforschern werden. Im Mittelpunkt steht dabei die eigene handlungsorientierte Arbeit mit wissenschaftlichen Geräten. Das Ziel dieser Veranstaltungen ist es, die Komplexität des Ökosystems Meer und die Funktionszusammenhänge zu vermitteln. Neben Alexander, der in diesem Jahr sein Freiwilliges Ökologisches Jahr leistet, sind dieses Mal noch ein Geowissenschaftler, eine Biologin und ein Biologe vom Verein dabei.

 

Mit dem Bodengreifer wird eine kleine Menge Meeresboden heraufgeholt. Der Schlamm wird durch Siebe gespült und die darin lebenden Tiere herausgesucht. Viele sind es nicht, hier in der Mündung der Schwentine. Der faulige Schlamm zeigt auch, warum: Es ist zu wenig Sauerstoff vorhanden. In einer vorbereitenden Schulstunde mit dem Verein Hohe Tied haben sich die Schüler bereits mit diesem Phänomen auseinandergesetzt.

 

Der "Fang" wird genau untersucht.

Die Ostsee - kleines Meer mit großen Problemen

Die Ostsee ist – im Vergleich zu den Ozeanen – ein sehr kleines Meer und zudem fast vollständig von Land umgeben. Nur durch schmale Meeresengen besteht eine Verbindung zur Nordsee. Durch den ständigen Zustrom von Süßwasser aus den Flüssen wird das Wasser ausgesüßt. Salzwasser gelangt dagegen nur aus der Nordsee in die Ostsee.

 

Dieser Süßwassereinstrom hat einen entscheidenden Einfluss auf das Meer. Je weniger Salz im Wasser gelöst ist, desto „leichter“ wird es. Das führt dazu, dass es in der Ostsee zu einer sehr stabilen Schichtung von relativ salzhaltigem Wasser in den unteren Bereichen und weniger salzhaltigem Wasser an der Oberfläche kommt. Diese Schichtung ist so stabil, dass eine Durchmischung beider Wasserkörper kaum zustande kommt. Der lebenswichtige Sauerstoff gelangt nur mit dem Einstrom von salzreicherem Nordseewasser in die tieferen Regionen. Dieser mitgebrachte Sauerstoff wird jedoch recht schnell wieder verbraucht. Große Bereiche der tieferen Ostsee sind deshalb sauerstofffrei. Doch auch in den flacheren Gebieten kommt es besonders in den Sommermonaten immer wieder zu Sauerstoffmangel. Dies ist, wie hier in der Flussmündung, vor allem auf den hohen Eintrag von Nährstoffen zurückzuführen.

 

Deutlich wird das bei dem Vergleich der Proben aus der Schwentinemündung mit denen des zweiten Standortes in der Kieler Außenförde. Hier, wo die Durchmischung des Wassers durch den Wind größer ist und wo vor allem nicht so viele Nährstoffe eingetragen werden, finden die Schüler wesentlich mehr Tiere und Pflanzen vor. Seesterne, Meerasseln und Strandkrabben werden zusammen mit verschiedenen Algen und Seegras vom Bodengreifer an die Oberfläche geholt und sofort zur weiteren Beobachtung in ein Aquarium gesetzt. Auch die Artenzusammensetzung des Planktons ist deutlich anders als in der Flussmündung. Und die Messungen mit der Sonde bestätigen, dass hier auch in den tieferen Schichten wesentlich mehr Sauerstoff vorhanden ist.

 

Vermittlung ökologischer Zusammenhänge

Überdüngung und Sauerstoffmangel sind zwei von vielen Themen, die immer wieder mehr oder weniger in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Die Ostsee ist als verbindendes Gewässer zwischen ihren Anrainerstaaten einem hohen Nutzungsdruck ausgesetzt. So führen Brückenbauten, Schifffahrt oder Fischerei zu einer starken Beeinflussung und einer Vielzahl von Veränderungen im Meer. Das Verständnis der grundlegenden ökologischen Zusammenhänge in der Ostsee ist wichtig, wenn man sich mit den Folgen und Problemen dieser Einflüsse beschäftigt. Da jedoch diese Einflüsse nicht nur ökologische Auswirkungen haben, gelangt man schnell zu Fragen, die über die naturwissenschaftliche Ebene hinausgehen.

 

Deshalb soll das bestehende Ausfahrtenkonzept im Projekt „Mensch und Meer“ nun für verschiedene Zielgruppen erweitert und weiterentwickelt werden. Neben den wissenschaftlichen Aspekten sollen deshalb vor allem auch politische und gesellschaftliche Zusammenhänge vermittelt und aktuelle Themen wie Fischerei, Schifffahrt oder Meeresverschmutzung aufgegriffen werden. Ziel ist es, auf Probleme und deren Ursachen und Folgen hinzuweisen und Handlungsoptionen aufzuzeigen.

 

Um das Thema möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, wird das Konzept nach Abschluss des Projektes veröffentlicht und anderen Multiplikatoren zur Verfügung gestellt werden. Außerdem wird eine Ausfahrtenkiste mit Geräten zusammengestellt, die bei der Hohen Tied e.V. für Umweltbildungsangebote ausgeliehen werden kann.

 

Die „Carola“ nimmt inzwischen wieder Kurs auf den Hafen. Währenddessen werden auf Deck die Ergebnisse präsentiert und diskutiert. Nach sechs Stunden auf der Förde läuft das Schiff wieder unter der Hörnbrücke durch und macht am Kai fest. Die Schüler machen sich auf den Weg zum Bahnhof und an Bord werden die Geräte gereinigt und für die nächste Ausfahrt, dann mit Teilnehmern einer betrieblichen Fortbildung, klar gemacht.

 

 

zum download:

Mensch und Meer - ein anwendungsorientiertes Handbuch für die Umweltbildung an und auf der Ostsee (pdf, 62MB)

 

 

 

 

LF-Explorer:

Grenzbereiche: an den Küsten

 

WWW:

Hohe Tied e.V.