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Expansionspläne: Neue Entwicklungen in der Krillfischerei

 

Nach der Zeit hoch subventionierter Krillfischerei besonders durch die ehemalige Sowjetunion (durchschnittl. 500.000 Tonnen in den frühen 80er Jahren) und dem Rückgang der Fangmengen in den folgenden Jahren (aufgrund von Problemen in der Krillverarbeitung und wegen fehlender wirtschaftlicher Anreize) (Ichii 2000) trat in den 90er Jahren eine „neue Generation” der Krillfischerei auf, da in der Fischerei einiger Industrieländer das Interesse an Krill anwuchs, weil der Futtermarkt für Aquakulturen lohnend erschien. Nach Fangmengen zwischen 100.000 und 120.000 Tonnen zeigen die Zukunftspläne der Krill fischenden Nationen, dass die Fangmenge in der Saison 2004/05 bis zu 160.000 Tonnen betragen könnte (SC-CCAMLR 2004). Man kann also ein zunehmendes internationales Interesse an der Krillfischerei als gewinnbringende, zukunftsträchtige Industrie feststellen.

 

Die norwegische Fischereiindustrie könnte in dieser „neuen Generation” der Krillfischerei eine bedeutende Rolle spielen, indem sie große, moderne und höchst effiziente Fang- und Verarbeitungsschiffe für die weit entfernten Gewässer des Südlichen Ozeans baut, um die dort vermuteten „gewaltigen Ressourcen” (NRK 2005) abzufischen. So hat beispielsweise der norwegische Multi Aker Seafood damit begonnen, in der Saison 2003/04 im Südlichen Ozean Krill zu fischen und dabei die Atlantic Navigator eingesetzt, eine supermoderne schwimmende Fischfabrik unter der Flagge der Pazifikrepublik Vanuatu (AKER ASA 2004).

 

Bei der CCAMLR XXIII-Konferenz 2004 wurde deutlich, dass die Atlantic Navigator nicht den geltenden CCAMLR-Schutzmaßnahmen entspricht, wozu die zeitnahe und vollständige Meldung der Fangergebnisse gehört (CCAMLR 2004). Des ungeachtet hat Vanuatu für die Saison 2004/05 eine Fangmenge von 60.000 Tonnen Krill angemeldet. Wegen dieser hohen Menge haben die Pläne Vanuatus in der Kommission ernsthafte Bedenken erweckt. Man äußerte Zweifel, ob dieser Staat in der Lage ist, die unter seiner Flagge registrierten Schiffe den gesetzlichen Bestimmungen gemäß zu managen. Es lagen zudem Berichte vor, dass das Schiff unter der Flagge Vanuatus neue Fangtechnologien einsetzte, über die den Gremien des CCAMLR keine detaillierten Angaben vorlagen.

 

Die Atlantic Navigator ist ein großes, modernes Fabrik-Fangschiff, das 1996 gebaut wurde. Es gilt als das fortschrittlichste Schiff seiner Art und als eines der umstrittensten Schiffe der Welt. Es führte zu beträchtlichen Kontroversen, als es in der Mitte der 1990er Jahre in Alaska unter dem Namen American Monarch operierte. Danach erregte es den Protest von Umweltschutzgruppen, als es eingesetzt wurde, um in die bereits überfischten Fischgründe Südchiles einzulaufen und dort den Südlichen Wittling (Micromesistius australis) und Hoki (Macrouronus magallanicus) zu fischen. Damals wurde bekannt, dass das Schiff in der Lage ist, täglich 1.200 Tonnen Fisch zu fangen und zu verarbeiten – mehr als jedes andere Fangschiff der Welt (Greenpeace 1997).

 

Diese Krillfischerei, die in norwegischem Besitz ist, wird wahrscheinlich künftig unter norwegischer Flagge operieren. Die Investitionen sind mit neuen Technologien für Fang und Verarbeitung von Krill gekoppelt, die den Profit der Fischerei beträchtlich steigern könnten. Wie beim CCAMLR-Treffen von 2004 berichtet wurde, gehört zu diesen neuen Technologien ein System, das den Krill kontinuierlich in das Fangschiff pumpt (CCAMLR 2004). Damit wird vermieden, dass der Krill schnell zerquetscht oder beschädigt wird – einer der Hauptfaktoren, die bislang die Fangkapazität von Krillfangschiffen beschränkt haben. Die Folge könnte sein, dass schon binnen kurzer Zeit die Fang- und Verarbeitungsraten der Krillfangflotten dramatisch expandieren, was wiederum ein rasches Wachsen der Krillfischerei in der Antarktis bewirken könnte, von dem irreversible Schädigungen der auf den Krill angewiesenen Arten im Südlichen Ozean zu befürchten sind. Um dies zu verhindern, müssen vorbeugend und rechtzeitig entsprechende Management-Verfahren vereinbart werden.

 

 

 

Literatur:

  • Aker ASA. 2004. Prospectus in connection with listing of Aker ASA’s A-shares on the Main List of Oslo Børs. Available at: Aker ASA
  • CCAMLR. 2004. Report of the Twenty-Third Meeting of the Commission, Hobart, Australia, 25 October- 5 November 2004.
  • Greenpeace. 1997. Greenpeace Archives on the American Monarch. Available at: Greenpeace Archive 
  • Ichii, T. 2000. Krill harvesting. In: Krill: Biology, Ecology and Fisheries – (I. Everson, eds.) Fish and Aquatic Resources, Series 6. Blackwell Science, Oxford: 228-262.
  • NRK. 2005. Enormous amounts of krill are pulling Norwegian fishing vessels to the Antarctic. Available (in Norwegian) at: NRK
  • Nicol, S. and Foster, J. 2003. Recent trends in the fishery for Antarctic krill.  Aquat. Living Resour. 16: 42-45.
  • SC-CCAMLR. 2004. Report of the Twenty-Third Meeting of the Scientific Committee, Hobart, Australia, 25-29 October 2004.