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Der Markt für Produkte aus Antarktischem Krill

 

Es gibt keine neueren Studien über die ökonomischen Bedingungen der Krillfischerei, man weiß allerdings, dass sie im Allgemeinen mit hohen Kosten verbunden ist. Es besteht der Bedarf an mehr Informationen über den derzeitigen und künftigen Markt für Krillprodukte, um die kommenden Trends der Krillfischerei besser abschätzen zu können (CCAMLR 2002).

 

Es besteht wachsender Bedarf an Antarktischem Krill als Futter für Aquakulturen, insbesondere für Lachsfarmen.

Frühere Analysen der Krillfischerei und des Markts für Krillprodukte haben Anzeichen für eine bevorstehende Ausdehnung der Fischerei von Antarktischem Krill ausgemacht. Die hauptsächlich treibende Kraft ist dabei die Erwartung eines größeren Bedarfs an Krillprodukten, die als Futter in Aquakulturen dienen, aber auch für pharmazeutische Zwecke eingesetzt werden (Nicol u. Foster 2003).

 

Die Entwicklung von Krillprodukten für Aquakulturen und für medizinische Anwendungen zeigte in den vergangenen Jahren den größten Anstieg, was darauf hindeutet, dass der Bedarf an solchen Produkten derzeit wächst. So wurden zum Beispiel 87.5% der Patente für medizinische Präparate aus Krill nach 1988 angemeldet (Nicol u. Foster 2003).

 

Krillfleisch für den menschlichen Verzehr 

Aus Antarktischem Krill werden auch Produkte für den menschlichen Verzehr hergestellt, wobei angemerkt werden muss, dass es nur aus Japan ausführliche Informationen über diesen Bereich gibt. Ungefähr 40% des japanischen Krillfangs in der Antarktis werden als gekochter und dann gefrorener Krill oder in Form geschälter Krillschwänze, die an Bord in Blöcken gefroren werden, für den menschlichen Verzehr verarbeitet. Früher wurde auch ein Teil des japanischen Fangs in Form von Krillschwänzen in Dosen auf den Markt gebracht – ein Produkt, das inzwischen nicht mehr angeboten wird (Nicol et al. 2000).

 

Das wichtigste Krillprodukt für den menschlichen Verzehr ist das gefrorene Krillschwanzfleisch. Dazu werden die Schwänze an Bord der Fangschiffe geschält und eingefroren. Sie werden als sehr nahrhaftes organisches Meeresfrüchte-Produkt vermarktet, das mild und ähnlich wie Hummer schmeckt und reich an Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien ist. Es dient als Pizzabelag und Beigabe zu Salaten, Suppen und Vorspeisen (Sclabos 2003). Ein „Antarctic Krill Concentrate”, das aus geschältem, gefriergetrocknetem Schwanzfleisch besteht, wird als Nahrungsergänzung vermarktet (Nicol et al. 2000).

 

Chitin und Chitosan

Es werden ständig neue Krillprodukte entwickelt, die nicht der Ernährung, sondern pharmazeutischen und industriellen Anwendungen dienen. Die Hauptanwendung ist die Produktion von Chitin und Chitosan aus Krillschalen und von im Krill enthaltenen Enzymen für pharmazeutische und andere Zwecke. Für Chitin und das aus ihm gewonnene Chitosan gibt es eine breite Palette von Anwendungen, die von Lautsprechermembranen bis zu cholesterinsenkenden Präparaten reichen. Krillöle finden einen expandierenden, lukrativen Markt im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel, der Kosmetikindustrie und der Pharmaindustrie (Nicol u. Foster 2003).

 

Die wirkungsvollen hydrolytischen Enzyme des Krills bergen interessante Möglichkeiten für pharmazeutische Anwendungen, wie die Produktion chemonukleolytischer Stoffe zur Behandlung von Bandscheibenschäden oder von Substanzen zur Behandlung nekrotischer Wunden. Die Forschung konnte ein bestimmtes Enzym des Krills identifizieren, das als Grundlage für Medikamente zur Behandlung verschiedener Infektionen dienen könnte. Darüber hinaus können Krillenzyme sogar verwendet werden, um Kunstwerke zu restaurieren, was ein weiteres Beispiel für die Entwicklung hochwertiger Krillprodukte darstellt (Nicol et al. 2000). Es wird zwar auch die Ansicht vertreten, dass der Bedarf an diesen Produkten kein Ausmaß erreicht, das die Krillfischerei ökonomisch rechtfertigt, aber zumindest tragen die hochwertigen Nebenprodukte dazu bei, sie profitabler zu machen (Nicol et al. 2000).

 

Krill als Fischfutter

Der Einsatz von Krill als Futter in Aquakulturen scheint die wichtigste Entwicklung auf dem Markt für Krillprodukte zu sein und Investitionen in die Krillfischerei anzuregen. Den Aquakulturen, insbesondere den Lachsfarmen, fehlt es an ausreichendem Futter. Die Fischfarmindustrie verbraucht bereits rund 75% der Welterzeugung an Fischöl und rund 40% des Fischmehls. Bis 2010 könnten sich diese Zahlen auf 90% bzw. 56% erhöhen, wenn man den Vorhersagen der „International Fish Meal and Fish Oil Manufacturers Association” (IFOMA) glaubt. Laut FAO werden 2010 allein die Lachse und Forellen in den Fischfarmen 620.000 Tonnen Fischöl verzehren (Staniford 2002). Da die Nachfrage höher ist als das Angebot und die Preise ansteigen, wird Fischöl schon als das „neue blaue Gold” bezeichnet (Staniford 2001).

 

Das zu geringe Angebot und die wachsenden Bedenken wegen des Giftgehalts des in Aquakulturen eingesetzten Futters drängen die Industrie dazu, Alternativen zu finden. Der Bedarf an Krill wird vermutlich ansteigen, da er ein hochwertiges Futter (Proteine, wichtige Aminosäuren, hohe Energie) für die Fische und Krustentiere in Farmen darstellt. Andere hervorstechende Eigenschaften von Krill sind sein natürlicher Gehalt an Pigmenten (was insbesondere für Lachsfarmen von Bedeutung ist), sein guter Geschmack, sein geringer Gehalt an Giftstoffen und seine vermutete Fähigkeit, das Überleben von Fischlarven zu fördern. Diese Eigenschaften machen Krill zu einem attraktiveren Futter als mögliche Konkurrenten wie das Mehl aus Kalmaren und Muscheln oder Öl aus Fisch und Artemien (Sclabos 2003).

 

Eine weitere Eigenschaft, die die Krillnachfrage erhöhen dürfte, ist die hohe Konzentration an Omega-3-Fettsäuren. Der Zusatz von Krill zum Futter erhöht den natürlichen Gehalt an Omega-3 bei den gefütterten Fischen (Sclabos u. Toro 2003).

 

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Nachfrage nach hochwertigem Futter für Aquakulturen (insbesondere von proteinreichem Futter für Lachse) die Krillfischerei beträchtlich profitabler machen könnte. Darüber hinaus werden höchstwahrscheinlich die zunehmenden Beschränkungen der Krillfischerei auf der Nordhalbkugel, die von Tierschützern und Fischerei-Managern gegen die expandierende Krillfischerei lokaler Fischereiindustrien durchgesetzt werden, den Druck auf die Krillbestände im Südlichen Ozean verstärken. Die antarktischen Gewässer bieten sich als Hauptquelle für Krill förmlich an (Nicol u. Foster 2003). Im Lichte dieser Entwicklungen scheint eine Erweiterung der Krillfischerei in der Antarktis unvermeidlich.

 

 

 

Literatur:

  • CCAMLR. 2002. Report of the Twenty-First Meeting of the Commission, Hobart, Australia, 21 October - 1 November 2002.
  • Nicol, S, Forster, I., Spence, J.  2000. Products derived from krill. In: Krill: Biology, Ecology and Fisheries – (I. Everson, eds.) Fish and Aquatic Resources, Series 6. Blackwell Science, Oxford: 262- 283.
  • Nicol, S., Foster, J. 2003. Recent trends in the fishery for Antarctic krill.  Aquat. Living Resour. 16: 42-45.
  • Sclabos, D. 2003. The Krill. Available at: Aquafeed
  • Sclabos, D. and Toro, R. 2003. Natural Foods through marine krill meal. Available at: Aquafeed 
  • Staniford, D. 2001. Cage Rage: an inquiry is needed into Scottish fish farming. The Ecologist, 22/10/2001.
  • Staniford, D. 2002. A big fish in a small pond: the global environmental and public health threat of sea cage fish farming. Paper presented at “Sustainability of the Salmon Industry in Chile and the World". Workshop organized by the Terram Foundation and Universidad de los Lagos in Puerto Montt, Chile, 5-6 June 2002.