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Management des Antarktischen Krills

Vorbeugende und ökosystemische Ansätze in der Praxis

 

Die CCAMLR, die 1982 als Teil der Antarktisverträge in Kraft trat, wurde von den Vertragsstaaten mit dem Ziel ausgehandelt, den Fang der marinen Arten mit Ausnahme der Wale und Robben im Südlichen Ozean zu regeln. Ein Hauptfaktor bei der Aushandlung der CCAMLR war die Notwendigkeit, auf die rasche Expansion der Krillfischerei in den 1970ern zu reagieren, von der man befürchtete, sie könne sich negativ auf die marine Umwelt der Antarktis auswirken (vgl. www.ccamlr.org). Die Verbreitung des Krills bestimmte auch die Festlegung der Grenzen des Gebiets, für das die CCAMLR zuständig ist.

 

Karte des CCAMLR-Gebiets mit den Arealen, Teilarealen und Bereichen, die von der CCAMLR für die Statistik der Fischereidaten definiert wurden. (Quelle: CCAMLR 2005. Statistical Bulletin, Bd. 17 (Elektronische Version))

Die Schlüsselposition, die der Krill im antarktischen Ökosystem einnimmt, spielte bei der Formulierung der Grundprinzipien der CCAMLR eine große Rolle. Nach Artikel II des Abkommens ist sein Ziel die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis – ihre vernünftige Nutzung eingeschlossen. Die CCAMLR ist das erste internationale Fischereiabkommen, in dem auch ökosystemische und vorbeugende Ansätze eine Rolle spielen.

 

Ein ökosystemischer Ansatz konzentriert sich nicht nur auf die jeweils gefischte Art, sondern fordert ein Management, das auch die ökologischen Wechselwirkungen zwischen der Art, die gefangen wird, und den anderen Arten einbezieht. Damit sollen die Auswirkungen der Fischerei auf den Bestand der von den gefischten Arten abhängigen oder mit ihnen verknüpften Arten und damit das Ökosystem als Ganzes so gering wie möglich gehalten werden.

 

Die weitgehend akzeptierte und häufig zitierte Formulierung eines vorbeugenden umweltpolitischen Ansatzes ist Grundsatz 15 der Deklaration von Rio von 1992: „Besteht die Gefahr von schweren oder irreversiblen Schäden, darf das Fehlen letzter wissenschaftlicher Gewissheit nicht als Argument dienen, kosteneffektive Maßnahmen zur Verhinderung von Umweltschäden hinauszuschieben.“

 

Für die 1980 unterzeichnete CCAMLR wurde der vorbeugende Ansatz in Artikel II (c) als Auftrag formuliert, Eingriffe in das marine Ökosystem zu vermeiden oder zu verringern, die sich nicht innerhalb von zwei oder drei Dekaden wieder rückgängig machen lassen.

 

Das Entscheidungsgremium der CCAMLR, die Kommission, besteht aus 24 Mitgliedern, die alle Management-Entscheidungen im Konsens treffen. Die Entscheidungen werden in Form von Umweltschutzmaßnahmen in den verschiedenen Fischereizonen innerhalb des CCAMLR-Gebiets umgesetzt. Die Kommission wird von einem wissenschaftlichen Komitee beraten, das sich wiederum auf die Resultate von Arbeitsgruppen stützen kann. Die „Working Group on Ecosystem Monitoring and Management“ (WG-EMM; Arbeitsgruppe zur Überwachung und zum Management von Ökosystemen) übernimmt die fachspezifischen Arbeiten im Zusammenhang mit der Krillfischerei und hat die Aufgabe, alle für das so genannte “krillzentrierte Ökosystem” relevanten Daten zu erfassen.

 

Aufbau eines wirkungsvollen Systems

Die Entdeckung von Walkot kann dazu beitragen, Gebiete mit im freien Ozean lebenden und Krill fressenden Tieren zu identifizieren. Der Blauwal (Balaenoptera musculus) gehört zu den Walen, die sich vorwiegend von Krill ernähren. Foto: E. Cabrera/Centro de Conservación Cetácea.

Die erste Herausforderung, mit der sich die CCAMLR nach ihrem Inkrafttreten 1982, also in einer Zeit, als man mit der schnellen Expansion der Krillfischerei rechnete, konfrontiert sah, war der Aufbau eines wirkungsvollen Systems, das die Grundprinzipien des Abkommens umsetzen konnte. Schon in den ersten Jahren nach 1982 wurde klar, dass die traditionellen Ansätze für ein Fischerei-Management für die Krillfischerei untauglich waren: Zu den üblicherweise herangezogenen Bestandsdaten einer Art mussten weitere einbezogen werden, um auch die Belange der vom Krill abhängigen Arten in Rechnung zu stellen (Miller u. Agnew 2000).

 

Das wissenschaftliche Komitee der CCAMLR unternahm große Anstrengungen, um mit Hilfe eines “Krill Yield Model” (KYM; Modell des Krillertrags) die adäquaten Fangquoten von Krill zu simulieren. Die Ausgangsdaten für das KYM waren Abschätzungen der ursprünglichen ungenutzten Biomasse an Krill in dem fraglichen Gebiet, die das internationale Forschungsprogramm “Biological Investigations of Marine Antarctic Systems and Stocks” (BIOMASS; Biologische Untersuchung des marinen antarktischen Systems und der Bestände) lieferte, das zur Untersuchung der antarktischen Krillbestände in den frühen 1980ern eingerichtet worden war (Croxall u. Nicol 2004).

 

Die CCAMLR versuchte, den ökosystemischen Ansatz in das Fischerei-Management des Antarktischen Krills aufzunehmen und legte fest, welchen Anteil der Biomasse an Krill man jährlich abfischen kann, ohne das Ökosystem zu beeinträchtigen. So wurde der Futterbedarf der Krill-fressenden Arten mit einkalkuliert, indem man einen Biomasse-Abbau in Höhe von 75%, anstatt des normalerweise (bei isolierter Betrachtung der Spezies) ermittelten Werts von 50% festlegte.

 

Obwohl das Krill-Management der CCAMLR einen bedeutenden Fortschritt im Fischerei-Management darstellt, ist es doch noch weit davon entfernt, den ökosystemischen Ansatz vollständig umzusetzen (Croxall u. Nicol 2004). Es ist daher für die CCAMLR entscheidend, ein „Feedback-Management” für den Krill zu entwickeln, das die jeweils neuesten Erkenntnisse über das antarktische Ökosystem mit einbeziehen kann, insbesondere über die möglichen Auswirkungen der Krillfischerei auf die Populationen der vom Krill lebenden Tiere.

 

CEMP: Programm zur Überwachung des Ökosystems

Der Adéliepinguin (Pygoscelis adeliae) ist in starkem Maß von Krill abhängig und wird fortlaufend vom „Ecosystem Monitoring Program“ der CCAMLR überwacht. Foto: C. Suter

Die Beantwortung der Frage, inwieweit die Krillfischerei in den Bestand der Krillräuber eingreift, ist eine der Hauptaufgaben des „Ecosystem Monitoring Programme” (CEMP; Programm zur Überwachung des Ökosystems) der CCAMLR, das eingerichtet wurde, um signifikante Änderungen der kritischen Komponenten des Ökosystems festzustellen und aufzuzeichnen. Die Ergebnisse von CEMP sollen in langfristig ausgelegten Management-Verfahren berücksichtigt werden, um die zu fällenden Entscheidungen den neuen Erkenntnissen über das antarktische Ökosystem anzupassen.

 

Die Fangquote in Area 48 (Südatlantik, vgl. Karte), wo die Krillfischerei derzeit hauptsächlich stattfindet, wurde auf 4 Millionen Tonnen festgelegt, die auf die folgenden Teilgebiete aufgeteilt sind:

  • 48.1 mit 1,008 Millionen Tonnen;
  • 48.2 mit 1,104 Millionen Tonnen;
  • 48.3 mit 1,056 Millionen Tonnen und
  • 48.4 mit 0,832 Millionen Tonnen.

 

Die Krillfischerei schöpft derzeit zwar nur einen geringen Anteil dieser Quoten aus – jährlich werden nur 100,000–160,000 Tonnen gefangen –, es muss jedoch bedacht werden, dass die Fangquoten jeweils für riesige Gebiete des Südlichen Ozeans gelten, während sich die Krillfischerei und auch die Krillbestände in Wirklichkeit in weit kleineren Regionen konzentrieren. So operiert beispielsweise die Krillfischerei im Südwestatlantik nur auf 20% der Fläche, für welche die Quote gilt.

 

Schon in der Vergangenheit fand ein wesentlicher Teil der Krillfischerei in einer kleinen Zahl von Gebieten statt, in denen sich auch ein hoher Prozentsatz des geschätzten Bedarfs der von Krill lebenden Arten im Südlichen Ozean konzentrierte (Hewitt et al. 2004). Am wichtigsten ist aber, dass sich in vielen Regionen die Krillvorkommen mit den Jagdgebieten der Krillräuber überlappen. Das birgt das Risiko in sich, dass große, lokal dem Meer entnommene Krillmengen die Bestände dieser Räuber beeinträchtigen. Es ist daher notwendig, ein Krillfischerei-Management für derartige kleinere Regionen zu betreiben und Modelle zu entwickeln, die in angemessener Weise die Beziehungen zwischen den Krillräubern und ihrer Beute berücksichtigen (Croxall u. Nicol 2004).

 

Im Jahr 2002 hat CCAMLR mit diesem Vorhaben begonnen, indem sie 15 kleinere Management-Gebiete  (SSMUs; Small Scale Management Units)für das Krillfischerei-Management im Südatlantik definierte. Die derzeitige Aufgabe besteht darin, für jedes dieser Gebiete Quoten festzusetzen, die den Bedarf der vom Krill abhängigen Arten berücksichtigen. Bevor dies geschehen ist, müssen diesbezügliche Management-Entscheidungen noch ein hohes Maß an Ungewissheit bewältigen, da die vorliegenden Informationen keine genaueren Berechnungen erlauben, wie man sie zur Beantwortung der entscheidenden Fragen braucht: Wie viel Krill wird abgefischt und wie viel verbrauchen die vom Krill abhängigen Arten im Laufe des Jahres in den verschiedenen Gebieten? Welche Zu- und Abwanderungen an Krill verzeichnen die einzelnen Gebiete? Wie könnte eine mögliche Konkurrenz zwischen der Fischerei und den Krillräubern aussehen?

 

Gleichzeitig muss die CCAMLR auch vorbeugende Management-Ansätze umsetzen, die das Ziel haben, mögliche zukünftige Risiken für das Ökosystem zu minimieren (Croxall u. Nicol 2004).

 

 

Literatur:

  • CCAMLR.  2005.  Statistical Bulletin, Vol. 17 (Electronic Version).
  • Croxall, J.P. and Nicol, S. 2004. Management of Southern Ocean Fisheries: global forces and future sustainability. Antarctic Science 16 (4): 569-584
  • Miller, D.G.M. and Agnew, D. 2000. Management of krill in the Southern Ocean. In: Krill: Biology, Ecology and Fisheries – (I. Everson, ed.) Fish and Aquatic Resources, Series 6. Blackwell Science, Oxford: 300-337
  • CCAMLR. Krill Synoptic Survey
  • CCAMLR, Description of the CEMP