Test Design Lighthouse


Über die Fischerei des Antarktischen Krills

Seit den späten 1970ern hat die Krillfischerei unter allen Fischereien im Südlichen Ozean den größten Umfang, und es besteht die Aussicht, dass sie zur weltweit größten Fischerei wird (Nicol u. Endo 1997; Croxall u. Nicol 2004).

 

Im Südlichen Ozean existieren die weltweit größten Krillbestände. Diese Tatsache und die Tendenz des Antarktischen Krills, sich in Schwärmen hoher Dichte zu sammeln, machen seinen Fang dort so attraktiv. Normalerweise konzentrieren sich die Fangschiffe auf Ansammlungen von Krill in eng begrenzten Gebieten. Gute Fanggründe findet man gewöhnlich in eisfreien Gebieten, wo der Kontinental- oder Inselschelf abbricht.

 

Verteilung der Fanggründe des Antarktischen Krills in Relation zum Schelf des antarktischen Kontinents und der Inseln und zum Rand des Packeises im Südsommer. aus: Ichii 2000.

Praktisch die gesamte antarktische Krillfischerei scheint innerhalb des CCAMLR-Gebiets stattzufinden. Es ist in drei geografische Hauptregionen gegliedert, in denen schon in der Vergangenheit Krillfischerei betrieben wurde: vor dem Kemp-Land, vor dem Wilkes-Land und im Südwestatlantik (Ichii 2000). In letzter Zeit hat sich die Krillfischerei auf den atlantischen Sektor des Südlichen Ozeans konzentriert, wo man Krillansammlungen am verlässlichsten vorfindet (Miller u. Agnew 2000).

 

Strategien bei der Fischerei

Der Antarktische Krill wird von Trawlern mit feinmaschigen Netzen in mittleren Tiefen gefangen. Man benötigt relativ große Schiffe, um an Bord mindestens drei Schälanlagen einrichten zu können und um die Herstellung von 10–12 Tonnen zusätzlichen (im Vergleich zum normalen Verbrauch) Süßwassers  für die Verarbeitung des Krills zu ermöglichen.

 

Die größten Probleme der Krillfischerei sind logistischer Art, da die Fanggebiete weitab von größeren Häfen liegen und höchst unwirtlich sind. Trotz des zirkumpolaren Vorkommens des Krills konzentriert sich daher die Krillfischerei in Bereichen, die in der Nähe anderer Fischereizonen liegen, hauptsächlich vor Südamerika. Wenn sich die Krillfischerei als weniger Gewinn bringend erweist, erlaubt dies den Fangschiffen, auch andere Arten wie Kalmare und Lachs zu fischen (Ichii 2000).

 

Aufspüren von Krillschwärmen.

Zu den eindeutigen Reizen der Hauptfanggründe des Antarktischen Krills zählt, dass man sich jedes Jahr darauf verlassen kann, Krill in Konzentrationen vorzufinden, die das Fischen profitabel machen. Um Krillschwärme aufzuspüren, greifen die Fangschiffe auf eine Vielzahl von Informationen zurück, wobei an erster Stelle frühere Berichte über gute Fanggebiete stehen. Darüber hinaus wird die Meeresoberflächentemperatur gemessen, um ozeanografische Fronten zu lokalisieren, wo sich der Krill gewöhnlich für längere Zeit in Schwärmen sammelt.

 

Im Fanggebiet selbst werden Sonargeräte und Echolote benutzt, um Krillschwärme zu lokalisieren. Das Echolot erlaubt zwar das Orten von Schwärmen in fas allen Tiefen direkt unter dem Fangschiff, es hat jedoch nur eine begrenzte horizontale Reichweite (die normalerweise nicht über die Breite des Schiffs hinausgeht).. Sonargeräte hingegen überdecken einen weiten horizontalen Bereich, reichen aber nicht weit in die Tiefe.

Im Allgemeinen konzentriert sich die Krillfischerei auf große, dichte Schwärme. Sind die Schwärme lokalisiert, positionieren sich die Trawler, wobei sie mit Sonarmessungen die Operation optimieren. Der mit dem Echolot gemessenen Schwarmtiefe wird die Tiefe des Schleppnetzes angepasst, die mit einer Netzsonde bestimmt wird, einem Gerät, das die Netztiefe in Relation zur Oberfläche, sowie die Menge der im Netzt befindlichen Krills misst (Ichii 2000).

 

Fangtechniken

Der Krillfang wird an Bord des Trawlers geholt. (Photo: CCAMLR)

Während des Fangs bewegen sich die Trawler gewöhnlich mit einer Geschwindigkeit von 2 Knoten vorwärts. In den meisten Fälle wird die Fangausbeute weniger vom Krillangebot bestimmt, als von den Verarbeitungsmöglichkeiten des Fangs an Bord und von der Erfordernis, Qualitätsansprüchen gerecht zu werden. Die Schleppzeiten im Verlauf eines Fangs werden so gewählt, dass Produktschäden möglichst vermieden werden. Zudem ist eine Begrenzung der Fangmenge pro Fischzug nötig, um zu verhindern, dass die Tiere unter ihrem eigenen Gewicht zerquetscht werden und um zu garantieren, dass der Fang frisch, d.h. innerhalb von 2–3 Stunden, verarbeitet werden kann. Der Einsatz der Schleppnetze und die Verarbeitung finden rund um die Uhr statt (Ichii 2000).

 

Auf den letzten CCAMLR-Konferenzen (SC-CCAMLR 2004) wurde über den Einsatz neuer Technologien beim Fang und der Verarbeitung von Krill berichtet. Der Krill wird dabei mit einem Pumpsystem angesaugt, das höhere Fangraten erlaubt und zugleich die Schädigung des Fangs vermindert. Die Wissenschaftler der CCAMLR sehen darin ein Anzeichen für neue ökonomische und technologische Antriebskräfte, die sich durchgesetzt haben und die Fischerei in naher Zukunft in bedeutendem Maße verändern könnten. Der Mangel an umfassenden Informationen über die Eigenschaften und den Einsatz dieser neuen Fangmethoden hindert die zuständigen Gremien der CCAMLR jedoch daran, deren mögliche Auswirkungen auf das marine Ökosystem des Südlichen Ozean abzuschätzen.

 

Auswahlkriterien beim Fang

Ein wesentliches Anliegen der antarktischen Krillfischerei gilt der Qualität ihres Produkts, die den Handelswert bestimmt. Die Qualität des Antarktischen Krills wird nach Farbe und Größe des Tieres eingestuft.

 

Tiere, die sich sehr intensiv von Phytoplankton ernährt haben, nennt man Grünen Krill. Grüner Krill wird normalerweise im frühen Südsommer (Dezember–Januar) gefangen. Zur Herstellung frisch oder gekocht eingefrorener Produkte vermeidet man ihn, weil er auf Grund seines “schmutzigeren” Aussehens, schlechten Geruchs und minderwertigen Geschmacks die Qualität des Produkts mindert (Ichii 2000).

Weißer Krill ist dagegen nahezu durchsichtig. Er hat einen höheren Verkaufwert, weil er fester ist und besser aussieht. Weißer Krill wird häufiger im späten Südsommer gefangen. Rosa Krill wiederum ist Krill von roter oder rosa Farbe, der lasch und leicht zerquetschbar ist. Er ist weniger wertvoll als Weißer Krill.

 

Ein weiteres Qualitätsmerkmal des Krills ist seine Größe: “LL” bezeichnet Krill von mehr als 45 mm Länge, der leichter geschält werden kann und hochwertig ist. Er wird für den menschlichen Verzehr oder als Köder für Sportfischer verwendet. “L” bezeichnet Tiere von 35–45 mm Länge, “M” Tiere von weniger als 35 mm Länge. Krill der beiden letzten Größenklassen dient ebenfalls als Fischköder, wird aber auch als Fischfutter in Aquakulturen verwendet (Ichii 2000).

 

 

 

Literatur:

  • Croxall, J.P. and Nicol, S. 2004. Management of Southern Ocean Fisheries: global forces and future sustainability. Antarctic Science 16 (4): 569-584.
  • Ichii, T. 2000. Krill harvesting. In: Krill: Biology, Ecology and Fisheries – (I. Everson, eds.) Fish and Aquatic Resources, Series 6. Blackwell Science, Oxford: 228-262.
  • Miller, D.G.M. and Agnew, D. 2000. Management of krill in the Southern Ocean. In: Krill: Biology, Ecology and Fisheries – (I. Everson, ed.) Fish and Aquatic Resources, Series 6. Blackwell Science, Oxford: 300-337.
  • Nicol S. and Endo, Y. 1997. Krill fisheries of the world. FAO Fish. Techn. Pap. 367, FAO, Rome.
  • SC-CCAMLR. 2004. Report of the Twenty-Third Meeting of the Scientific Committee (CCAMLR XXIII), Hobart, Australia, 25-29 October 2004.