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Auswirkungen der Umweltbedingungen auf die Krillbestände in der Antarktis

 

Mit Besorgnis hat man festgestellt, dass der Antarktische Krill in den letzten Jahren niedrigere Zuwachsraten aufweist. Hinzu kommt, dass mögliche langfristige Veränderungen wie globale Erwärmung oder Ozonabbau deutliche Auswirkungen auf einzelne Tiere oder die gesamte Population der Euphausiiden haben könnte.

 

Krilldichte im Südwestatlantik-Sektor (4.948 Stationsmeldungen aus Jahren mit mehr als 50 Stationen) aus: Atkinson et al. 2004.
Zeitliche Änderungen der Dichte von Krill und Salpen.
Oben: Krilldichte nach 1976 aus Messungen von Forschungsschiffen mit der Angabe zeitlicher Trends.
Unter: Zirkumpolares Vorkommen von Salpen 1926–2003 südlich der Südgrenze des antarktischen Zirkumpolarstromes.
aus: Atkinson et al. 2004


Im Fall des Antarktischen Krills wäre es denkbar, dass der beobachtete Anstieg der Lufttemperatur über dem Südlichen Ozean, der wiederum die Temperatur des Oberflächenwassers und die Ausbreitung des Meereises beeinflusst, die Fortpflanzung beeinträchtigt und auf lange Sicht seine Bestände verringert. Die UV-B-Strahlung ist ein weiterer Faktor, der die Konzentration von Krill an der Meeresoberfläche beeinflussen und seine Sterberate erhöhen könnte, was ebenfalls den Vermehrungserfolg mindern und die Biomasse an Krill verringern würde (Siegel 2000).

 

Ein Zusammenhang zwischen der Krillvermehrung und dem Meereis im Lebensraum des Krills konnte inzwischen nachgewiesen werden. Eine lang anhaltende Bedeckung des Ozeans mit Meereis und dessen räumlich ausgedehnte Erstreckung im Winter sind günstige Bedingungen für eine frühe und erfolgreiche Laichablage.

 

Allgemein sorgen gute Meereisbedingungen für eine frühzeitige Fortpflanzung und somit für eine erfolgreiche Laichablage im antarktischen Sommer. Der Grund ist vermutlich das Vorkommen von Eisalgen, die den Larven und Jungtieren des Krills gegen Ende des Winters und zu Beginn des Frühjahrs als Nahrung dienen und ihnen erlauben, ausreichend Energie zu speichern, was sich wiederum vorteilhaft auf das Überleben der Larven auswirkt.  (Siegel u. Loeb 1995). Eisalgen sind Algenkolonien, die unter der Eisdecke zu finden sind und in der Primärproduktion eine wichtige Rolle spielen. Der Krill kann den grünen Algenteppich von der Unterseite des Eises abernten.

 

 

Rückgang des Krill seit 1970

 

Bei einer Untersuchung, die kürzlich im Südwestatlantik durchgeführt wurde, in dem mehr als 50% der Bestände an Krill im Südlichen Ozean leben, stellte sich heraus, dass in dieser Region seit den 1970ern die Dichte des Krills deutlich abgenommen hat, wobei sich zeigte, dass die Dichte des Krills im Sommer einerseits mit der Dauer, andererseits mit der Ausdehnung der Eisbedeckung des Meeres im vorausgegangenen Winter korreliert. Ausreichendes Wintereis im Bereich der Antarktischen Halbinsel und der südlichen Inseln des Scotia Arc, die zu den bedeutendsten Laich- und Aufzuchtgebieten zählen, beeinflusst die Krilldichte im gesamten Meeresbecken, eingeschlossen die Regionen nördlich der Seasonal Ice Zone, also des Gebiets, das nicht permanent unter Eis liegt (Atkinson et al. 2004).

 

Die westliche Antarktische Halbinsel zählt zu den Gebieten der Erde, deren Temperatur im Verlauf der globalen Erwärmung am schnellsten ansteigt. Die Dauer winterlicher Vereisung ist dort bereits erheblich verkürzt. Ein wesentliches Forschungsergebnis ist, dass gerade die Schlüsselregionen für das Laichen und das Heranwachsen des Krills besonders heftigen Umweltveränderungen ausgesetzt sind. Man nimmt an, dass Änderungen der Krilldichte in weiten Bereichen des Südlichen Ozeans tief greifende Auswirkungen auf das gesamte antarktische Nahrungsnetz und das Gleichgewicht unter den Räubern haben (Atkinson et al. 2004).

 

Die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels und des Verbrauchs natürlicher Ressourcen muss sorgfältig bedacht werden, wenn man Management-Modelle für den Krill entwirft. Angesichts der hohen Ungewissheit hinsichtlich der Zusammenhänge zwischen diesen Einflüssen ist es notwendig, das Hauptaugenmerk auf vorbeugende Maßnahmen zu legen.

 

 

Literatur:

  • Atkinson, A., Siegel, V., Pakhomov, E., and Rothery, P. 2004. Long-term decline in krill stock and increase in salps within the Southern Ocean. Nature (Vol. 432): 100-103
  • Siegel, V. 2000. Krill (Euphausiacea) life history and aspects of population dynamics.  Can. J. Fish. Aquat. Sci. 57 (Suppl. 3): 130-150.
  • Siegel, V. and Loeb, V. 1995. Recruitment of Antarctic krill Euphausia superba and possible causes for its variability. Mar. Ecol. Prog. Ser. 123, 45-56.