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Die Rolle des Krills im antarktischen Nahrungsnetz

Vereinfachte Darstellung des „krillzentrierten“ Nahrungsnetzes im Südlichen Ozean. Nach Everson 2000b.

Das marine antarktische Ökosystem wird in großem Maße vom Antarktischen Krill als dem wesentlichen Beutetier bestimmt. Die meisten Arten in der Antarktis sind nur eine oder zwei Ernährungsstufen vom Krill entfernt, der den Hauptbestandteil des Speiseplans einer Vielzahl von Arten bildet, wobei viele sogar fast völlig von ihm abhängig sind (Alonzo et al. 2003).

 

Insbesondere im Südatlantik ist der Krill für viele Meeressäuger und Seevögel die reichhaltigste Futterquelle. Die Gebiete mit der höchsten Krillkonzentration liegen oft in der Nähe der Küsten, wo Krill fressende Vögel und Robben ihre Brutkolonien haben (Croxall 2003). Diese Räuber sind auf Krill in der Nähe ihrer Kolonien angewiesen, um ihre Nachkommen im antarktischen Sommer füttern und aufziehen zu können. Es konnten beispielsweise eindeutige Zusammenhänge zwischen den Krillvorkommen und der Vermehrung und dem Überleben der antarktischen Pinguine nachgewiesen werden (Alonzo et al. 2003).

 

Krill als Nahrungsquelle unmittelbar abhängig Schlüsselarten

Seevögel

Im Allgemeinen konsumieren Seevögel große Mengen an Krill, wobei der Jahresbedarf je nach Art und Region verschieden ist. Die folgenden Pinguinarten sind in hohem Maße auf Antarktischen Krill angewiesen (Croxall 1984): Adéliepinguin (Pygoscelis adeliae); Zügel- oder Kehlstreifpinguin (Pygoscelis antarctica); Goldschopf- oder Macaronipinguin (Eudyptes chrysolophus); Eselspinguin (Pygoscelis papua).

 

Drei Albatrosarten ernähren sich von Krill, darunter der Schwarzbrauen-Albatros (Diomedea melanophris). Foto: C. Suter
Der Eselspinguin (Pygoscelis papua) reagiert sehr empfindlich auf Änderungen im Krillangebot. Foto: C. Suter
Die Krabbenfresserrobbe (Lobodon carcinophagus) gehört zu den antarktischen Robben, auf deren Speisplan auch der Krill steht. Foto: C. Suter

Drei Albatrosarten fressen Krill, wobei der Anteil des Krills an der gesamten Nahrungspalette je nach Art differiert. Es handelt sich um die folgenden Arten: Schwarzbrauenalbatros (Diomedea melanophris); Graumantel-Rußalbatros (Phoebetria palpebrata) ; Graukopfalbatros (Diomedea chrysostoma).

 

Sturmvögel im Allgemeinen fressen sehr viel Antarktischen Krill, wobei auch hier der Anteil je nach Art differiert, bei kleineren Arten aber sehr groß zu sein scheint (Everson 2000b). Die Hauptarten der von Krill abhängigen Sturmvögel sind: Riesensturmvogel (Macronectes giganteus); Hallsturmvogel (Macronectes halli); Antarktissturmvogel (Thalassoica antarctica); Kapsturmvogel (Daption capense); Schneesturmvogel (Pagodroma nivea); Sturmtaucher (Pelecanoides spp; spp = Subspecies); Weißkinnsturmvogel (Procellaria aequinoctialis).

 

Für die kleineren Sturmschwalben (u.a. Oceanites spp) und Walvögel (Pachyptila spp) gehört ein weiteres Spektrum von Krustentieren zu den Beutetieren, wobei das Schwergewicht auf Ruderfußkrebsen (Copepoda ssp) liegt (Prince u. Morgan 1987).

 

Robben

Alle Arten der antarktischen Robben, ausgenommen der Südliche Seeelefant (Mirounga leonina), fressen in einem bestimmten Ausmaß Krill (Laws 1984). Es handelt sich um die folgenden Arten: Krabbenfresserrobbe (Lobodon carcinophagus); Seeleopard (Hydrurga leptonix); Weddellrobbe (Leptonychotes weddelli); Rossrobbe (Ommatophoca rossi); Antarktischer Seebär (Arctocephalus gazella).

 

Wale

Die hauptsächlichsten Walarten, die vorwiegend von Krill leben, sind (Everson 2000b): Minkwal (Balaenoptera acutorostrata); Blauwal (Balaenoptera musculus); Finnwal (Balaenoptera physalus); Seiwal (Balaenoptera borealis); Buckelwal (Megaptera novaeangliae).

 

Fische

Es gibt klare Hinweise darauf, dass einige Fischarten im Südlichen Ozean von Krill leben (Kock 1992). Das gehäufte Vorkommen einiger Fischarten in bestimmten Gebieten könnte die Populationen von Krill lokal beeinflussen. Der Gesamtverzehr von Krill durch Fische im Südlichen Ozean dürfte aber im Vergleich zu dem der Wale, Robben und Vögel von untergeordneter Bedeutung sein (Everson 2000b).

 

Kalmare

Man weiß von einigen Kalmaren, die auch im Südlichen Ozean vorkommen, dass sie Krill fressen. Man hat zwar abgeschätzt, dass das Vorkommen von Kalmaren im Südlichen Ozean sehr groß sein könnte, genaue Daten über die derzeitige Population fehlen jedoch (Everson 2000b). Dies macht es unmöglich, den Einfluss der Kalmare auf die Krillbestände abzuschätzen.

 

 

 

Literatur:

  • Alonzo, S.H., Switzer, P. V., Mangel, M. 2003. An ecosystem-based approach to management: using individual behavior to predict the indirect effects of Antarctic krill fisheries on penguin foraging. Journal of Applied Ecology (2003) 40: 692-702
  • Croxall, J.P. 1984. Seabirds. In Antarctic Ecology (R. Laws, ed.): 531-616. Cambridge University Press, Cambridge
  • Croxall, J.P. 2003.  National Geographic News, August 5
  • Everson, I. 2000b. Role of krill in marine food webs, the Southern Ocean. In: Krill: Biology, Ecology and Fisheries – (I. Everson, ed.) Fish and Aquatic Resources, Series 6. Blackwell Science, Oxford: 194-201
  • Kock, K.-H. 1992. Antarctic fish and fisheries. Cambridge University Press, Cambridge
  • Laws, R.M. 1984. Seals. In: Antarctic Ecology (R. Laws, ed.): 531-616. Cambridge University Press, Cambridge
  • Prince, P.A. and Morgan, R.A. 1987. Diet and feeding ecology of Procellariiformes. In: Seabirds. Feeding Ecology and Role in Marine Ecosystems (J.P. Croxall, ed.): 154-171, Cambridge University Press, Cambridge.