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Antarktischer Krill

 

“Krill” ist ein Begriff, mit dem man über 80 Krustentierarten beschreibt, die im offenen Meer leben. Sie sind als Euphausiidae bekannt und zählen in der Mehrzahl zum Plankton (Everson 2000a).

 

Verbreitung des Antarktischen Krills (nach wissenschaftlichen Untersuchungen und nach Angaben der Fischerei). Aus Everson 2000c.

Die folgenden Euphausiiden kommen im Südlichen Ozean vor: Euphausia superba, E. vallentini, E. triacantha, E. frigida, E. crystallorophias, Thysanoessa vicina und T. macrura. Nur zwei dieser Arten treten gewöhnlich in dichten Schwärmen auf und sind daher für die Fischerei von besonderem Interesse: E. superba und E. crystallorophias. Alle Euphausiiden im Südlichen Ozean kommen zirkumpolar vor, wobei die Häufigkeit der einzelnen Arten weitgehend von der geografischen Breite abhängig ist (Everson 2000a).

 

E. superba ist die Art, die man üblicherweise als “Antarktischen Krill” bezeichnet. Ihr Verbreitungsgebiet ist groß, und sie wird in bedeutendem Umfang gefischt (Everson 2000a). Die antarktische Konvergenzzone oder Polarfront – das ist die zirkumpolare Front, an der sich das kalte antarktische Oberflächenwasser unter das wärmere subantarktische Wasser schiebt – stellt in etwa die Nordgrenze des Vorkommens von Antarktischem Krill dar. Antarktischer Krill kommt in hoher Konzentration im Südatlantik (Scotia Arc) und in einigen Regionen vor, die im Indischen Ozean nahe des antarktischen Kontinents liegen. Die Gesamtfläche seines Vorkommens beträgt etwa 36 Millionen Quadratkilometer, was ungefähr der 4 ½-fachen Fläche von Australien entspricht.

 

Der Antarktische Krill gehört zu den häufigsten und erfolgreichsten Tierarten der Erde. Seine Biomasse ist möglicherweise größer als die jeder anderen mehrzelligen Tierart auf unserem Planeten (Nicol 2004). Krill stellt die größte Ansammlung marinen Lebens dar (Macauley et al. 1984) und enthält die wirkungsvollsten proteolytischen Enzyme (Proteasen, Peptidasen), die man kennt (Anheller et al. 1989).

 

Darstellung eines Krills mit den wichtigsten morphologischen Einzelheiten. Aus Everson 2000a.

Der Antarktische Krill ist in erster Linie ein Pflanzenfresser. Im Sommer lebt er von Phytoplankton (mikroskopisch kleinen, im Wasser schwebenden Pflanzen wie Geißel- und Kieselalgen) des Südlichen Ozeans, während er im Winter vorwiegend Algen zu sich nimmt, die auf der Unterseite von Treib- und Packeis leben. Man nimmt an, dass auch das Zooplankton, also kleine Tiere, die zum Plankton gehören, auf dem Speiseplan des Krill stehen.

 

Ein Krill erreicht ein Alter von 6–7 Jahren. Die weiblichen Tiere sind im Alter von 2 Jahren, die männlichen im Alter von 3 Jahren geschlechtsreif (Siegel 2000). Die Paarung findet 1–2 Monate vor dem Laichen im November statt. Die reifen, erwachsenen Tiere finden sich zu gewaltigen „Schulen” oder Schwärmen zusammen, wobei viele tausend Tiere pro Kubikmeter zusammengedrängt sind, und das Wasser rot oder orange färben. Diese so genannten Aggregations-Schichten mit dichten Krillansammlungen zeichnen sich durch eine starke Streuung in akustischen Ortungsgeräten aus. Das Auftreten in Schwärmen, die sich über einige Kilometer erstrecken können, macht den Krill für die kommerzielle Fischerei so attraktiv. Allerdings bleiben die Schwärme während der hellen Stunden des Tages in größerer Tiefe verborgen. Erst in der Nacht kommen sie an die Oberfläche. Vertikale Wanderbewegungen dieser Art finden wir bei vielen Seetieren, sie treten aber beim Antarktischen Krill vielleicht am spektakulärsten in Erscheinung: Sobald der Schwarm an der Oberfläche erscheint, fallen Räuber wie Seevögel, Robben, Kalmare, Fische oder Bartenwale über ihn her (Nicol 2004).

 

Der Riesensturmvogel (Macronectes giganteus) gehört zu den Hauptarten unter den Sturmvögeln, die auf Krill als Nahrung angewiesen sind. Foto: C.Suter.

Man weiß immer noch nicht sicher, wie der Krill den antarktischen Winter überlebt. Die Tiere scheinen keine großen Fettreserven anzulegen, sie müssen daher unter dem Eis Nahrung zu sich nehmen, wie etwa die Algen, die auf den Unterflächen des Packeises wachsen, abgestorbene Tier- und Pflanzenreste auf dem Grund des Meeres und andere Meerestiere – oder sie greifen nicht auf Fett, sondern auf andere körpereigene Speicher zurück. Auf das Letztere deuten Laboruntersuchungen hin, bei denen man herausfand, dass der Antarktische Krill eine lange Zeit – bis zu 200 Tage – ohne Nahrung überleben kann. Das gelingt, indem die Tiere schrumpfen und ihren eigenen Körper aufzehren, um den Stoffwechsel aufrecht zu erhalten (Nicol 2004). Aufgrund dieses Ergebnisses nimmt man an, dass die Absenkung der Stoffwechselrate dem Krill auch erlaubt, den Winter ohne Nahrungsaufnahme zu überstehen (Quetin u. Ross 1991). Der Krill wächst wie alle Krustentiere durch Häutung, das heißt, das Tier wirft die alte Schale ab und wächst, während die neue Schale noch weich ist. Das Besondere beim Krill scheint zu sein, dass bei ihm dieser Prozess auch umgekehrt ablaufen kann: Das Tier wächst nicht, sondern schrumpft, wenn es ihm an Nahrung fehlt (Nicol 2004).

 

Schätzungen des Krillbestandes in den 60ern, die auf der Menge an Krill beruhen, die durch das Verschwinden des Bartenwals im Südlichen Ozean frei wurde, deuten darauf hin, dass eine nachhaltige Krillfischerei in großem Umfang möglich sein könnte (Ichii 2000). Nach neueren akustischen Untersuchungen umfasst die zirkumpolare Biomasse des Antarktischen Krills zwischen 60 und 155 Millionen Tonnen (Nicol et al. 2000). Wegen dieser Häufigkeit und seiner herausgehobenen Position im Nahrungsnetz mit dem mikroskopischen Phytoplankton auf der einen Seite und großen Räubern auf der anderen Seite nimmt der Krill in der Packeiszone und in Teilen der eisfreien antarktischen Gewässer in höheren Breiten unter den Arten eine Schlüsselposition ein (www.ccamlr.org).

 

Um den Krillbestand (60–155 Millionen Tonnen) in Relation zu setzen, muss man bedenken, dass in allen Meeren der Welt jährlich weniger als 100 Millionen Tonnen an Fisch und Schalentieren gefangen werden. Die Biomasse des Antarktischen Krills könnte also in der Tat die aller anderen mehrzelligen Arten auf unserem Planeten übersteigen (Nicol 2004).

 

 

 

Literatur:

  • Anheller, J.-E, Hellgren, L., Karlstam, B., and Vincent, J. 1989.  Biochemical and biological profile of a new enzyme preparation from Antarctic krill Euphausia superba Dana suitable for debridement of ulcerative lesions. Arch. Dermatol. Res. 281: 105-110.
  • Everson, I. 2000a. Introducing Krill. In: Krill: Biology, Ecology and Fisheries – (I. Everson, ed.) Fish and Aquatic Resources, Series 6. Blackwell Science, Oxford: 1-7.
  • Everson, I. 2000c. Distribution and Standing Stock. In: Krill: Biology, Ecology and Fisheries – (I. Everson, ed.) Fish and Aquatic Resources, Series 6. Blackwell Science, Oxford: 63-79.
  • Ichii, T. 2000. Krill harvesting. In: Krill: Biology, Ecology and Fisheries – (I. Everson, eds.) Fish and Aquatic Resources, Series 6. Blackwell Science, Oxford: 228-262.
  • Macauley, M.C., English, T.S., and Mathisen, O.E. 1984. Acoustic characterisation of swarms of Antarctic krill (Euphausia superba) from Elephant Island and Bransfield Strait.  J. Crustacean Biol. 4 (Vol.1): 16-44.
  • Nicol, S. (2004)  In: www.antarctica.gov.au/
  • Nicol, S., Forster, I., Spence, J.  2000. Products derived from krill. In: Krill: Biology, Ecology and Fisheries – (I. Everson, eds.) Fish and Aquatic Resources, Series 6. Blackwell Science, Oxford: 262- 283.
  • Quetin, L.B. and Ross R.M. 1991. Behavioral and physiological characteristics of the Antarctic krill Euphausia superba.  Am. Zoologist 31: 49-63.
  • Siegel, V. 2000. Krill (Euphausiacea) life history and aspects of population dynamics.  Can. J. Fish. Aquat. Sci. 57 (Suppl. 3): 130-150.
  • www.ccamlr.org. CCAMLR. Krill Synoptic Survey. Available at: www.ccamlr.org.