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Leben vom Meer: Kuna Yala, Panama

Exkusion nach Kuna Yala

 

Mittwoch, 15. Juni 2004: Workshop mit Studenten der „Umwelt-Brigade“ der Nele Kantule Schule. Wir sprachen über die wichtigsten Meeresökosysteme in Kuna Yala – Mangroven, Seegraswiesen und Korallenriffe – und ihre Bedeutung für die Gemeinschaft und den gesunden Naturhaushalt. Wir sahen ein Video von Dr. Jeremy Jackson, ein US-amerikanischer Meereswissenschaftler, der viel für das Smithsonian Tropical Research Institute in Panama geforscht hat. Der Film drehte sich um den Wandel der Meeresumwelt im Laufe der letzten 40 Jahre und griff dabei auch ein Phänomen auf, dass als “shifting baselines” oder „verschobene Grundlinien“ bekannt ist.

 

Die eigentliche Grundlinie bezeichnet einen ursprünglichen, intakten Zustand eines Ökosystems. Dieser Zustand verändert sich auch unter natürlichen Bedingungen, allerdings zumeist sehr langsam und ist daher nur schwer zu beobachten. Den Zustand eines intakten, funktionsfähigen Ökosystems aber– seine „Grundlinie“ oder „baseline“ - zu kennen, ist wichtig, um Veränderung beurteilen und den Gesundheitszustand feststellen zu können.

 

Hat sich die Grundlinie jedoch bereits schleichend verschoben, ohne dass wir die Gelegenheit hatten diesen Vorgang zu verfolgen, besteht die Gefahr, einen bereits stärk veränderten Zustand als ursprüngliche Grundlinie zu akzeptieren. Im Falle von Kuna Yala heißt das: Die heutige Jugend sieht die krankhaft veränderten und durch den Menschen degradierten Korallenriffe als normal an und ist sich nicht bewusst, dass dieselben Riffe noch vor ein oder zwei Generationen ungleich lebendiger und vielfältiger waren.

 

 

Nachhaltige Nutzung der Meeres-Ressourcen

 

Die Kuna leben auf schmalen Inseln im Norden Panamas an der Karibik.

Dieses Projekt zielt darauf ab einige lokale Ursachen für ernstzunehmende Schädigungen des marinen Ökosystems im Gebiet Kuna Yala zu beseitigen, vor allem Überfischung und die Entnahme von Korallen. Da Auskommen und Wirtschaft der Bewohner Kuna Yalas fast ausschließlich von einem gesunden Ökosystem abhängig sind, kommen Wissensvermittlung und Sensibilisierung der lokalen Bevölkerung für die derzeitigen Umweltprobleme, deren Ursachen und Lösungsmöglichkeiten eine ebenso große Bedeutung zu wie Maßnahmen zur Wiederherstellung und Erhaltung einer funktionsfähigen Meeresumwelt und deren nutzbarer Ressourcen.

 

Die teilautonome Region Kuna Yala liegt im Norden Panamas und umfasst 200 Kilometer Karibikküste. Marine Flachwasserbereiche mit weniger als 20 Meter Tiefe, Korallenriffe und etwa 360 Inseln nehmen etwa 2.500 Quadratkilometer ein. Die marinen Ökosysteme Kuna Yalas beherbergen eine Anzahl besonders komplexer und biologisch vielfältige Korallenriffe und werden zu den ursprünglichsten in der Karibik gezählt (Guzman et al. 2003).

 

Die Wirtschaft Kuna Yala basiert auf Landwirtschaft und Fischerei.

Aber auch Kuna Yala ist nicht von bedeutenden Habitat-Zerstörungen verschont geblieben: ein vielschichtiges Zusammenspiel von natürlichen und menschlichen Einflüssen (z.B. Abbau von Korallen für Landaufschüttungen, Verschmutzung, Überfischung, Korallen- und Seeigel-Krankheiten, steigende Wassertemperaturen) haben zu beträchtlichen Veränderung der Riffe dieser Region geführt. Insbesondere ist die Bedeckung mit lebenden Korallen von geschätzten 70% in den 1970er Jahren auf gegenwärtig 20% erheblich zurückgegangen und die Riffe haben sich von einem Korallen- zu einem Algen-dominierten Ökosystem gewandelt (Shulman & Robertson, 1996).

 

Der Lebensunterhalt basiert auf gesunden Ökosystemen

 

Der Rückgang der Korallen bewirkt einen zunehmenden Wellenschlag und damit die Erosion der Plattformriffe und zum Verlust an Habitaten für zahlreiche wirtschaftlich genutzte und andere Arten, von denen viele nun auch durch Überfischung gefährdet sind. Durch ihre auf den Eigenbedarf ausgerichtete Landwirtschaft, Jagd und Fischerei ist der Lebensunterhalt der Kunas direkt und nahezu vollständig von einem gesunden Ökosystem abhängig. Schätzungsweise 80% des Proteinbedarfs decken die Kuna durch den Verzehr von Fisch und anderen Meeresfrüchten (Ventocilla et al. 1995).

Hirnkoralle aus den Küstengewässern Kuna Yalas.
Die Kuna sind bekannt für ihre Molas, bunte, kunstvoll gefertigte Textilien. Mola bedeutet „Kleidung“ in der Sprache der Kuna.

Wenn der gegenwärtige Trend der Umweltzerstörung (vor allem Rückgang der Korallen) ungehemmt weitergeht, hat dies wahrscheinlich katastrophale Konsequenzen für die Kuna-Gemeinschaft, da sie nicht über die Mittel für kostspielige Reparaturversuche (z.B. künstliche Riffe, Wellenbrecher) verfügen. Noch ist das Marine Ökosystem Kuna Yalas ausreichend intakt, um sich selbst zu regenerieren - wenn es umgehend und vernünftig geleitet wird.

 

Es ist wissenschaftlich gesichert, dass die Vermeidung der Überfischung derzeit die beste Maßnahme zum Schutz und zur Wiederherstellung des Korallenriff-Ökosystems ist (Gardner et al. 2003; Hughes et al. 2003; Pandolfi et al. 2003). Angesichts der Vielzahl regionaler und globaler Einflüsse, die nicht lokal kontrollierbar sind (Korallen-Krankheiten, Klimaerwärmung, Verschmutzung, Überdüngung), mag der Schutz und die Wiederherstellung funktionierende Nahrungsnetze (unter besonderer Berücksichtigung von „Weidegängern“ zur Eindämmung des Algenwachstums und Stärkung der Korallen) die einzig wirklich wichtige Absicherung gegen ernsthafte Schäden sein.

 

 

Projekt-Partner

 

Die Ausführung der Arbeiten erfolgt durch drei gemeinnützige Organisationen: die Umwelt-Vereinigung BALU UALA, dem Institute for Integrated Development of Kuna Yala (IDIKY) und dem panamesischen Institute for Research, Education and Conservation (CREA). Gegenwärtig wird in drei Gemeinden gearbeitet: Ukupseni, Dad Nakue Dupbir und Ogobsucum. Diese Fallbeispiele für Nachhaltilge Entwicklung und Ressourcen-Management können sich als Vorbild für die gesamte Region Kuna Yala erweisen. Das Projekt, als Teil eines umfassenden Plans für das nachhaltige Management mariner Ressourcen, wurde von allen 49 Gemeinden in Kuna Yala auf dem Kuna General Congress, in Muladup, November 2003, gebilligt.

 

 

Besondere Aktivitäten:

 

  • Workshops mit verschiedenen Gruppen (Fischer, Gemeinde-Vorstehern, Lehrern, Studenten, Frauen), um sowohl die Problem im Zusammenhang mit der Nutzung mariner Ressourcen als auch die Bedürfnisse der Gemeinschaft und deren Erwartungen an das Projekt zu diskutieren.
  • Seminare zu Grundlagen mariner Ökologie sowie speziellen Umweltprobleme in Kuna Yala und den Gemeinden. Beispiele aus anderen Ländern mit vergleichbaren Problemen: welche Maßnahmen wurden woanders ergriffen und welche Erfahrungen wurden gemacht.
  • Umweltbildung an den örtlichen Schulen: Grundlagen der Meeresökologie und menschliche Einflüsse
  • Exkursionen zu Mangroven, Seegraswiesen und Korallenriffen für Studenten und Lehrer.
  • Herstellung von Unterrichtsmaterialien. Videos, Faltblätter, Poster.
  • Sammlung und Bestimmung der heimischen Meeresfauna und –flora für eine schulische Vergleichssammlung
  • Grundlegendes Fischerei-Monitoring-Programm: Erhebung von Daten zu Artenzahl, Biomasse, Geschlecht, fischereilicher Aufwand und Fangort, Eigenbedarf oder Export usw.
  • Grundlegende Erhebung zu Umwelt und Sozio-Ökonomie der Gemeinschaft: Beschreibung der Lebensräume, ihres Erhaltungsstatus und Beeinträchtigung, Identifizierung der Interessenvertreter einer marinen Ressourcennutzung.
  • Entwicklung eines Aktionsplans für ein umfassendes Programm zur Erhaltung, Wiederherstellung und nachhaltigen Nutzung der Meeresressourcen in Kuna Yala: Prioritäten, erwünschte Ergebnisse, Methoden, Zeitplanung usw.

 

 

 

Gardner et al.; Long-Term Region-Wide Declines in Caribbean Corals. Science 301, 958 (2003)

 

Hughes et al. Climate Change, Human Impacts, and the Resilience of Coral Reefs. Science 301, 929 (2003)

 

Guzmán H.M.; Guevara C.; Castillo A.Conservation Biology, October 2003, vol. 17, no. 5, pp. 1396-1401(6) Blackwell Publishing

 

Pandolfi et al.; Global Trajectories of the Long-Term Decline of Coral Reef Ecosystems. Science 301, 955 (2003)

 

Shulman, M.J. and D.R. Robertson. (1996) Changes in the coral reef of San Blas, Caribbean Panama: 1983 to 1990. Coral Reefs, 15: 231-236.

 

Ventocilla, J., "Kuna Indians and the Conservation of the Environment", Mesoamérica, Vol.16, no. 29, CIRMA, Guatemala, 1995

 

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