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Workshop: Eine nachhaltige touristische Entwicklung

 

Vom 27.9. – 30.09.2004 fand auf der Insel Sal (Republik Kapverden) mit Unterstützung der Lighthouse Foundation ein Workshop zum Thema Sustainable Tourism and Conservation statt, zu dem WWF und die Kapverdische Regierung eingeladen hatten.

 

Die Kapverdischen Inseln sind eine im Aufbau befindliche Urlaubsdestination mit ständig steigender Nachfrage, und stehen damit angesichts der absehbaren touristischen Entwicklung vor der besonderen Herausforderung, wirtschaftliche, soziale und ökologische Belange in Einklang zu bringen. In nächster Zeit sind insbesondere in Küstennähe erhebliche Investitionen in Hotelanlagen und in All-Inklusive Resorts zu erwarten.

 

Auf die Konsequenzen und Begleiterscheinungen einer massiven Ausweitung des Tourismus jedoch scheinen weder die kapverdische Regierung, noch die Bevölkerung adäquat vorbereitet. Auch auf Seiten der Verwaltungen zeigt sich ein großes fachliches und strategisches Optimierungspotential, um die Interessen der ökologisch fragilen Inselgruppe an nachhaltiger Entwicklung formulieren und durchsetzen zu können.

 

Zur Förderung und als Anreiz für ausländische Tourismusinvestitionen gewährleistet die Kapverdische Regierung weit reichende Steuererleichterungen, die in ihrer Konsequenz weder den Staat, noch die Kommunen an den explodierenden Gewinnen aus dem Wertzuwachs des Baulandes partizipieren lassen. Große Landstücke, die aufgrund ihrer Küstennähe besonders sensibel sind, wurden auf der Insel Sal bereits veräußert.

 

Existierende Pläne für die Nachbarinsel Boa Vista besagen, dass diese in einem noch größeren Umfang erschlossen werden soll (vorgeschlagene Bettenkapazität von 30.000 auf einer Insel mit derzeit 4.000 Einwohnern). Bei Realisierung derartiger Entwicklungspläne würde die bisher intakte (und durch ihren hohen Anteil von endemischen Arten teilweise einzigartige) Biodiversität des Inselarchipels gefährdet. Außerdem würde die Chance verpasst, den Tourismus als alternativen Wirtschaftszweig nachhaltig und als wirksames Instrument zur Armutsbekämpfung zu entwickeln.

 

Akteure und Zielsetzung des Workshops

Touristische Entwicklungszone eines privaten Investors nahe Santa Maria auf der Insel Sal.

Ziel des Workshops war es, eine breite und fruchtbare Diskussion zum nachhaltigen Tourismus unter den Schlüsselakteuren einzuleiten und zum Aufbau verbesserter Kooperationsstrukturen anzuregen. Hierbei ging es auch darum, einen gemeinsamen „Bewusstwerdungsprozess“ über Stärken und Schwächen der, sowie Chancen und Risiken für die Kapverden (SWOT-Analyse) zu initiieren. Außerdem sollte eine gemeinsam getragene Vision für den Tourismus formuliert werden.

 

Initiiert wurde der Workshop vom WWF (Westafrika-Büro, WWF-Niederlande und WWF-Deutschland), der gemeinsam mit der Tourismusdirektion des kapverdischen Wirtschaftsministeriums eingeladen hat. Teilnehmer waren Vertreter aus nahezu allen für den Tourismus relevanten nationalen Behörden oder anderen Regierungsinstitutionen, von der Gemeindevertretung Sal, von lokalen NGOs, sowie Repräsentanten verschiedener Akteure aus der Privatwirtschaft. Unterstützt wurde der Workshop durch internationale Expertenbeiträge aus der Tourismusindustrie, von der GTZ, der Wissenschaft sowie Fallbeispielen aus Gambia, Senegal und den kanarischen Inseln.

 

 

Ergebnisse

Ziel des Workshops war es, eine breite und fruchtbare Diskussion zum nachhaltigen Tourismus unter den Schlüsselakteuren einzuleiten und zum Aufbau verbesserter Kooperations-strukturen anzuregen.

Die Durchführung der SWOT-Analyse in verschiedenen Workshops führte unter anderem zu der gemeinsamen Empfehlung, bisherige Strategien und die Gesetzesgrundlage zur touristischen Weiterentwicklung des Landes noch einmal kritisch zu analysieren. Außerdem wurde die verstärkte Bildung von Partnerschaften angeregt, um die lokale Bevölkerung möglichst weitgehend an den wirtschaftlichen Potentialen des Tourismus partizipieren zu lassen.

 

Einigkeit gab es auch über den hohen Stellenwert natürlicher Ressourcen für die touristische Attraktivität der Inseln. Verlauf und Ergebnisse sind ausführlicher in dem anliegenden offiziellen Abschlussbericht der Tourismusdirektion (Englische Übersetzung des portugiesischen Originals) dokumentiert.

 

Insgesamt wurde der Workshop von allen Seiten als Erfolg bewertet, da er einen internen Informationsaustausch ermöglicht hat, wie er bisher auf dem Inselarchipel nicht stattgefunden hat. Dabei wurde auch herausgestellt, dass Tourismus- und Umweltplanungen unbedingt aufeinander abgestimmt werden müssen. So konnten Kommunikationsstrukturen angeregt werden, die für eine gemeinsame und erfolgreiche Umsetzung der Vision maßgeblich sein werden. Die Fallbeispiele und Anregungen der internationalen Experten haben dazu beigetragen, Vorteile und Risiken verschiedener Formen der Tourismusentwicklung zu verdeutlichen.

 

 

Ausblick

Fischer mit Thunfischfang an der Pier in Santa Maria auf Sal.


Zum momentanen Zeitpunkt besteht eine gute Möglichkeit, positiven Einfluss auf die künftige Entwicklung des Tourismus und eine entsprechende Integration in die Umsetzung des „Environmental Action Plans“ für die Kapverden zu nehmen. Wichtige Weichenstellungen und Entscheidungen sind in naher Zukunft absehbar.

 

Mit dem Workshop wurde eine Grundlage für verbesserte Absprache und Koordination der Schlüsselakteure untereinander geschaffen. Außerdem wurde eine gute Basis für ein partnerschaftliches Miteinander von Naturschutz und Tourismus aufgebaut. Der WWF wird in der Region dabei als wichtiger Partner und Impulsgeber geschätzt.

 

Aufbauend auf den guten Erfahrungen des Workshops will der WWF nun, in Zusammenarbeit mit den Umwelt- und Tourismusdepartments, ein umfassendes Tourismus-Proposal zur touristischen Gesamtentwicklung der Kapverden erarbeiten, wobei WWF seinen Fokus auf die Verbindung von Tourismus, Armutsminderung und marinen Schutzgebieten legen wird. Eine Minimierung von negativen und Maximierung von positiven Einflüssen des Tourismus soll in enger Zusammenarbeit mit der örtlichen Verwaltung, sowie in Partnerschaft mit Reiseveranstaltern, NGO´s und lokaler Bevölkerung ermöglicht werden.

 

Derzeit prüft der WWF u.a., ob sich die Insel Boa Vista als Modellregion eignen würde. Hier ließe sich beispielhaft demonstrieren, wie Naturschutz, nachhaltige Entwicklung und Armutsbekämpfung in Verbindung mit der Ausweisung von marinen Schutzgebieten miteinander kombiniert werden können.

 

 

 

 

 

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Der afrikanische Inselstaat Kap Verde hat neun bewohnte Inseln im Zentralatlantik, 460 Kilometer vor der Westküste Afrikas. Die Hauptstadt der kleinen Inselrepublik ist Praia mit etwa 100.000 Einwohnern.